Auftritt Thomsen, Teil 2: Die Empfehlungen

Am Dienstag war es soweit. Die Vorschläge von Thomsen wurden veröffentlicht.

Die Thomsen Group. Unternehmensberatung aus Hamburg. Mission: Ein neues Konzept für die Entwicklung der Hufewiesen. Im Auftrag der ADLER Real Estate, der Haupteigentümerin der Hufewiesen.

Die Spirale als Leitbild für die Thomsen-Empfehlungen "Vom Dorf zur Stadt zum Dorf".

Die Spirale als Leitbild für die Thomsen-Empfehlungen zu den Hufewiesen.

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Thomsen arbeitet mit den Mitteln der Marktforschung, allerdings in einer speziellen Variante. Ihr Anspruch ist es, herauszufinden, was die Menschen in 50 bis 70 Jahren wohl wollen werden.

Für ihre Wohnumwelt, so Thomsen, werden die Menschen vor allem eins wollen: Gemeinschaft. Deshalb stellen sie die Entwicklung der Hufewiesen unter das Motto „Vom Dorf zur Stadt zum Dorf“.

Konkret könnte das so aussehen:

  1. Geschoßwohnungen (6-8 pro Haus) im Westen der Hufewiesen, mit Gemeinschaftsgärten, errichtet von einer Genossenschaft, dazu ein Tante-Emma-Laden als Nahversorger und sozialer Treff sowie ein paar Gewerbeeinheiten mit inkludierender und konsumkritischer Orientierung (Repair Café, Fahrradwerkstatt)
  2. Einfamilienhäuser im Osten der Hufewiesen, errichtet in einer Bauherrengemeinschaft, in die Wiesen eingebettet, und das im Wortsinne: als Erdhügelhäuser
  3. Ein grüner Korridor in der Mitte der Hufewiesen und entlang des Bahndamms, von der ADLER für eine öffentliche Nutzung gestiftet; dort finden Platz:
    • ein Bauernhof für historische Nutztierrassen
    • ein Veranstaltungsplatz
    • ein grünes Amphitheater
    • eine Baumschule mit Alleen
    • Streuobst
    • … und das alles bei gleichzeitigem Erhalt des Bestandes an Bäumen

Mit dieser Bebauung und Nutzung, so Thomsen, wird Dresden als Trendsetter einen wichtigen Vorteil im internationalen Städtewettbewerb erringen.

>> Zum Nachlesen: Die Presseerklärung zu den Empfehlungen von Thomsen (pdf)

Aber…

Thomsen ist von der Durchschlagskraft dieser Empfehlungen überzeugt. Das Problem dabei: Die Vorschläge gehen über wichtige planungsrechtliche Einschränkungen einfach hinweg, und sie wirken städtebaulich nicht durchdacht. Außerdem wird hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Im Einzelnen:

  • Kein Baurecht. Der Schutz vor Fluglärm und Hochwasser verbietet zur Zeit eine Bebauung auf den Hufewiesen. Auch in Zukunft werden große Teile des Geländes nicht bebaubar sein. Das schreiben Landesrecht und Bundesrecht vor. Die Stadt hat da keinen Ermessensspielraum. Wie kann man die Hufewiesen trotzdem sinnvoll städtebaulich gestalten? Diese Frage zu beantworten, wäre die eigentliche Herausforderung gewesen.
  • Zersiedelung. Die Vorschläge von Thomsen laufen darauf hinaus, die Hufewiesen zu zersiedeln. Damit geht das grüne Herz Pieschens verloren. Auch die Verbindung von historischem Dorfkern und bäuerlichen Fluren wird nicht mehr erkennbar sein. An ihre Stelle tritt eine Siedlung mit Gemeinschaftselementen, wie es sie schon tausendfach in Deutschland gibt. Wo liegt da die städtebauliche Innovation?
  • Mogelpackung. Der grüne Korridor, den ADLER großzügig stiften will, darf sowieso nicht bebaut werden, weil er weitgehend aus Wald besteht, der nach sächsischem Waldgesetz und nach Baugesetzbuch besonders geschützt ist. Deshalb hatte die ADLER diesen Bereich schon in einer Presseerklärung aus dem Jahre 2012 (S.1, letzter Absatz) als öffentliches Grün angeboten. Man darf den Wald auch nicht roden, um Platz für die von Thomsen vorgeschlagenen Nutzungen zu schaffen. Auf jeden Fall würde es ziemlich eng dort werden…

Was wäre eine Alternative?

Auch im Verein machen sich Menschen Gedanken über die Hufewiesen. Unentgeltlich, dafür mit Herz und gesundem Menschenverstand.

Unser Ansatz: Die maßgeblichen Tatsachen erfassen, sie akzeptieren und dann kreativ damit umgehen. Für die Hufewiesen sind das die planungsrechtlichen Beschränkungen einerseits, das besondere Potential dieses Ortes andererseits.

Zum Nachlesen:
– Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion
– Unser Positionspapier zur Kommunalwahl 2014

Zum Mitmachen:
Spielt Eure eigenen Berater und entwickelt mit uns Empfehlungen für die Hufewiesen!
– 17. Juli 2014: Große HufeRunde
– Oktober 2014 (voraussichtlich): Wahrnehmungswerkstatt

>> Zum Auftritt von Thomsen siehe auch:
– Auftritt Thomsen, Teil 1: Die Umfrage
– Teil 3: Das Medienecho

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