Ort des Mutes

Ungewöhnliche Anfrage aus der Laurentiusgemeinde. Danilo Lämmel, der Gemeindepädagoge, steckt in den Vorbereitungen für die Kinderbibelwoche in den Herbstferien. „Hier stehe ich – ich kann nicht anders!“ Das geflügelte Wort, das Martin Luther zugeschrieben wird, regt seine Phantasie an. Die Hufewiesen fallen ihm ein. Die gäbe es doch längst nicht mehr, wenn nicht ein paar Menschen gesagt hätten:
„Hier stehen wir – wir wollen das anders!“
Schnell ist vereinbart, daß die Kinder, die an der Bibelwoche teilnehmen, auch die Hufewiesen besuchen. Am Freitag, 6. Oktober, war es soweit.

In der Bahnunterführung an der Gaußstraße warteten Gabriele Windisch und Anja Osiander vom Hufewiesen-Verein auf die bunte Schar. Erst einmal wurde die Akustik erprobt. Alle kreischen aus vollem Hals. Dafür eignet sich der massive Beton wirklich gut!
Dann erzählen die beiden. Von dem Herzklopfen in der Bürgerversammlung im Juli 2011, als die Verwaltung die Baupläne vorstellte und es so aussah, als sei alles schon beschlossene Sache. Wie dann immer mehr Menschen sich zu Wort meldeten und dagegen argumentierten, so daß schließlich eifrig Adressen ausgetauscht wurden und diese Menschen sich zusammenschlossen.
Aber wie überzeugt man die mächtigen Menschen, die die Hufewiesen zubauen wollten, vor allem den Baubürgermeister und die Verantwortlichen des Immobilienunternehmens? „Das schafft Ihr nie! Die machen doch, was sie wollen…“, so äußerten sich viele. Macht ist aber relativ – und oft nur ein Schein. Worte und Argumente dagegen können mehr bewirken, als man oft denkt. Das erlebten wir in den folgenden Jahren immer wieder, so daß die Hufewiesen heute immer noch grün leuchten und nicht unter Asphalt und Beton begraben liegen.
Wichtig für das Durchhalten ist dabei auch die Phantasie. Mit dem Trachenfest haben wir die Hufewiesen inzwischen schon fünfmal jeweils im Mai mit unserer geballten Freude erfüllt und dem Ort eine Geschichte gegeben, die bei allen, die jemals dabei waren, lange in den Herzen nachhallt.
Das alles kam zur Sprache unter der Bahnunterführung, und dann machten die Kinder sich auf den Weg über die Hufewiesen. Sie gingen als Seilschaft, und die Herausforderung bestand darin, das Seil immer straff zu halten. Gemeinsam erzeugen wir eine Spannkraft, die über die Kräfte der Einzelnen weit hinausgeht! So bekommt Mut Flügel…
Zum Abschluß erreichten wir Hensels Garten, umgarnten mit dem Seil den Staketenzaun, und alle Kinder nahmen Bilderkarten mit von den Hufewiesen. Jede Karten zeigte auf der Vorderseite blühende Blumen und trug auf der Rückseite einen Buchstaben und eine Zahl. Richtig zusammengesetzt, ergab sich ein Spruch fürs Poesiealbum, der noch einmal von Mut und Tatkraft handelte.

Was Martin Luther dazu gesagt hätte, wissen wir nicht. Auch nicht, wie viel von unserer frohen Botschaft bei den Kindern ankam. Nicht vergessen werden wir auf jeden Fall die Energie des gemeinsamen Kreischens unter der Bahnunterführung und die Gaudi, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Vielen Dank an die Laurentiusgemeinde, vor allem an Danilo Lämmel und seine Helfer*innen, für diese schöne gemeinsame Aktion!

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