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Theodor Rosenhauer – der Parcours-Stationen

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Station 1 – Teichstraße 5 / Thema: Biografie

In Alttrachau, dem historischen Dorfkern des Dresdner Stadtteils Trachau, lebte fast ein Jahrhundert lang der Maler Theodor Rosenhauer. Geboren am 8. Mai 1901, zogen seine Eltern 1903 mit drei Kindern in die Teichstraße Nr. 5, in eins der Häuser, die seit dem Wachstum der Städte in der Gründerzeit die Flur Trachaus erreicht hatten und Dörfer wie Trachau zu Vorstädten Dresdens machten. Der Ort wurde 1903 nach Dresden eingemeindet.

Für den Künstler war Trachau bis wenige Jahre vor seinem Tod Ausgangs- und Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens. Hier ist Rosenhauer aufgewachsen, zur Schule gegangen (in die Bürgerschule auf der Böttgerstraße), wurde nach einer Ausbildung zum Lithografen, einem Studium an der Kunstgewerbeschule sowie an der Akademie für Bildende Künste Dresden im Jahr 1924 selbständiger Maler und blieb bis 1993 in der elterlichen Wohnung. Im selben Haus war zeitweise auch sein Bilderdepot in einer anderen Wohnung untergebracht. Zudem unterhielt er im Laufe seines Schaffens weitere Ateliers bzw. Bilderlager in Radebeul und Dresden.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Nähe seines Sohnes in Berlin-Wannsee, wo er am 14. Juni 1996 verstarb.

Mit seiner Stilistik und Motivwahl nimmt Rosenhauer in der Dresdner Malkultur des 20. Jahrhunderts eine einmalige Stellung ein. Einer künstlerischen Gruppe angeschlossen hat er sich nie. Seine Arbeiten porträtieren Menschen aus seinem nächsten Umfeld (die Eltern, die Lebensgefährtin, Kinder aus der Nachbarschaft, befreundete Künstler*innen) und greifen die unmittelbare Umgebung des Künstlers auf: Einige seiner Gemälde zeigen Ansichten des alten Dorfkerns, wie er in Teilen noch heute wiederzuerkennen ist, aber auch die nahe gelegene Elbe mit Booten, umliegende Städte und Gemeinden wie Radebeul mit seinen Lößnitzhängen, Moritzburg, Weinböhla, Städtchen in der Sächsischen Schweiz, der Oberlausitz u.v.a.m. So heimatverbunden er war, so reisefreudig war er auch: Bilder mit Eindrücken aus Bulgarien, Italien oder von der See künden vom Interesse über die Heimat hinaus. 

Station 2 – Alttrachau 8 – ehemaliger Treppchen-Bäcker / Thema: Brote

Theodor Rosenhauer, Langes Brot mit Tasche, 1981, Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Klut/Estel/Karpinski
Theodor Rosenhauer, Langes Brot
mit Tasche, 1981, Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Klut/Estel/Karpinski

Eins der Bildthemen, die das Werk Theodor Rosenhauers besonders prägen, ist eines unserer täglichen Nahrungsmittel: das Brot. Etwa 50 Bilder sollen entstanden sein, die das Brot im Mittelpunkt der Darstellung zeigen, häufig tangiert von weiteren Lebensmitteln oder Küchenutensilien wie Pilzen, Speck, Körben, Tontassen, Krügen, Messern oder Vasen.

Quasi vis-à-vis der Wohnung des Künstlers, direkt am Anger in Alttrachau 8, befand sich bis in die 2000er Jahre hinein die Bäckerei Rüdiger Pötschke, in der der Maler seine Brote kaufte, die er nach genauesten Kriterien auswählte, aber auch extra anfertigen ließ. Glatte Brote interessierten sein Malerauge nicht, wohl aber aufgerissene Krusten und bemehlte Oberflächen. Aus den Brot-Stillleben spricht die Zuneigung zu alltäglichen Dingen – zugleich zeugen sie von der asketischen Lebensweise des Malers.

In seinen Bildern verstand er es, mit wenigen Objekten poetische Stillleben zu arrangieren. So „einfach“ die Bildthemen erscheinen, so beachtlich verschwenderisch gestaltete sich sein Umgang mit dem Malmittel Ölfarbe, die er in pastoser Weise – Schicht für Schicht – auf die Leinwand brachte.

Station 3 – Trafohäuschen im “Rosenhauer-Park” / Thema: Motive und Menschen in seiner Umgebung

Mit seiner Stilistik und Motivwahl nimmt Theodor Rosenhauer in der Dresdner Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eine einmalige Stellung ein. Kein anderer Künstler hat sich so intensiv mit Alttrachauer Motiven gewidmet wie Rosenhauer. Aber auch die nahe gelegene Elbe mit der damals betriebenen Fähre (deren Station befand sich in der Nähe der heutigen Fahrradbrücke) sowie Orte seiner näheren Umgebung (Radebeul mit seinen Lößnitzhängen, Moritzburg, Weinböhla, Städtchen in der Sächsischen Schweiz und viele andere) fanden Eingang in sein malerisches Werk.

Rosenhauers Arbeiten porträtieren außerdem Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld (die Eltern – der Vater starb 1947, die Mutter 1948 -, die Lebensgefährtin, Kinder aus der Nachbarschaft, Künstlerfreund:innen). Weitere zentrale Motive im malerischen Werk sind Blumenstilleben, Darstellungen der Dresdner Vogelwiese sowie Tierbilder.

Die zumeist schwerwiegenden breiten Holzrahmen seiner Gemälde ließ der Maler ab den 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre hinein von dem ebenfalls in Alttrachau lebenden Fensterrahmenbauer Waldemar Braun anfertigen. Rosenhauer pflegte mit dessen Schwiegervater seit Kindertagen langjährig Freundschaft.

Station 4 – Alttrachau 25 / Thema: Trachauer Motive

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Theodor Rosenhauer, Alttrachau im Winter, 1977, (Abb. aus: Theodor Rosenhauer, hrsg. v. Stefan Bongers-Rosenhauer und Klaus Hebecker, Sehsam Verlag Erfurt 2010, S. 15)

Der Bildtitel “Alttrachau vor Abbruch im Winter” gibt Zeugnis davon, dass noch in den 1970er Jahren ein Abriss der historischen Bebauung am Dorfanger vorgesehen war. Das Gemälde, entstanden im Jahr 1977, zeigt einen sehr engen Straßenzug aus nordöstlicher Sicht mit Blick auf den mit Bäumen bestandenen Mittelpunkt des Angers sowie die noch existente Litfaßsäule an der Mündung der kleinen Parkanlage. Die Plakatsäule und die Häuser der nördlicher Angerseite – rechts im Bild – stehen noch immer, die Häuser an der südlichen Angerseite – links im Bild – wurden jedoch größtenteils abgebrochen.

Ein einzelner Fußgänger am linken Bildrand – vielleicht der Maler selbst – tangiert dort, wo heute Fahrzeug an Fahrzeug steht, die damals noch autofreie Straße. Die dörfliche Idylle ist heute städtischer Betriebsamkeit gewichen.

Zahlreiche seiner Gemälde zeigen Ansichten des alten Dorfkerns, wie er in Teilen noch heute wiederzuerkennen ist, aus beiden Richtungen – aus Richtung Leipziger Straße sowie aus Richtung Gaußstraße. Der Dorfanger liegt bis heute zwischen zwei weit auseinanderliegenden Häuserreihen. In dessen Zentrum waren noch bis 1904 zwei Teiche angelegt – der Straßenname Teichstraße nimmt darauf Bezug.

Station 5 – Alttrachau 29/ Thema: Arbeitsstationen und Malweise

Der Maler Theodor Rosenhauer unterhielt im Laufe seines Lebens mehrere Ateliers. Sein erstes eigenes Atelier nutzte er noch als Student im Akademiegebäude auf der Brühlschen Terrasse direkt neben dem Atelier Oskar Kokoschkas, ab 1930 ein Atelier im Gebäude des damaligen Oberverwaltungsgerichtes am Antonsplatz, dessen Räumlichkeiten im Dachgeschoss an freischaffende Künstler vermietet wurden.

Ein weiteres Atelier im Radebeuler Haus der Lebenspartnerin, die er im Jahr 1929 kennenlernte, hielt er bis zu deren Tod im Jahr 1977. In den dortigen Räumlichkeiten wurde der Maler von dem bedeutenden Fotografen Christian Borchert (der selbst in Dresden-Trachenberge aufwuchs) porträtiert; Borchert ist unter anderem für seine fotografischen Künstlerporträts bekannt.

Als neben seiner kleinen Trachauer Wohnung in der Teichstraße 5 eine weitere Wohnung frei wurde, übernahm er diese als Atelier und Bilderlager. In Trachau selbst konnte er 1946 zudem ein Atelier unterm Dach in der Burgsdorffstraße 24 beziehen. Eine filmische Aufnahme (Details zur Entstehung des Filmmaterials sowie eine mögliche Nutzungserlaubnis werden gerade recherchiert) zeigt den Maler auf dem Weg dorthin beim Abbiegen am Grundstück Alttrachau 29 in die Gaußstraße.

Rosenhauers Bilder leben sowohl von intensiver Farbigkeit (zu sehen z.B. auf seinen Gemälden, die während seiner Reisen nach Italien oder Bulgarien entstanden, aber auch bei Stillleben wie z.B. “Speckseite mit Brot”, Städtische Galerie Dresden), als auch von eher verhaltenen Tönen. Immer wieder wurde in Besprechungen und Ausstellungsrezensionen über die Vorliebe Rosenhauers zu Erdfarben gesprochen (etwa bei Horst Drescher oder Horst-Jörg Ludwig). Der Dresdner Künstlerkollege Gerhard Kettner sprach von der „Rosenhauerschen Ode an das Grau”. Der Maler liebte es, bei Schnee- und Matschwetter zu malen, sommerliches Grün hingegen empfand er als wenig malwürdig. Sogar bei Minusgraden ging er mit Pinsel und Staffelei direkt vor der Landschaft malen.

Ein dem Künstler sehr wichtiger Aspekt zur Erzielung einer harmonischen Gesamtwirkung seiner Gemälde war der Einbezug getönter Rahmen, in die er seine Werke wirkungsvoll einzubetten verstand. Zumeist breite Rahmen werden in ihrem Farbton dem Ton der Motive auf der Leinwand angepasst.

Station 6 – Alttrachau 28 – Hensels Garten / Thema: Historische Bausubstanz

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Foto: Alttrachau Nr. 28 um 1956 (Quelle: Stadtwiki Dresden / Archiv
Brendler
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Dort, wo heute durch eine Nachbarschaftsinitiative ein lebendiger Garten gestaltet und gepflegt wird, stand einmal ein Wohnhaus. Es ist auf dem Gemälde “Alttrachau im Winter mit Kuchentragender” aus dem Jahr 1971 im Hintergrund zu sehen. Der Name “Hensels Garten” bezieht sich auf den ehemaligen Bewohner Albert Hensel, der in diesem Haus 1895 zur Welt kam, nach 1933 zur Widerstandsgruppe um Karl Stein, Fritz Schulze und Herbert Bochow zählte, 1941 von der Gestapo verhaftet und am 5. Juni 1942 hingerichtet wurde.

Das Haus Alttrachau 28 wurde in den 1970er Jahren abgerissen, kurz nachdem es der Maler Rosenhauer in seinem Gemälde verewigt hatte. Der Künstler schrieb am .01.1980 in einem Brief an seinen Sohn (gesichtet im schriftlichen Nachlass in der SLUB):

„Wenn ich eines gemalt habe [Anm.: gemeint ist ein Trachauer Motiv], dann ist’s bald wie ein Todesurteil, daß dort irgend etwas oder alles für’s Malen untauglich wird, und somit für mich schon für’s Anschauen.“

Die Kuchentragende kündet von einer Langezeit aufrecht erhaltenen Tradition, den zu Hause vorbereiteten Teig, Kuchen- oder auch Stollenteig, in die nahegelegene Bäckerei, in unserem Beispiel Alttrachau 8, zum Backen zu bringen.

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Theodor Rosenhauer, Alttrachau im Winter mit Kuchentragender, 1971 (Abb. aus: Theodor Rosenhauer, hrsg. v. Stefan Bongers-Rosenhauer und Klaus Hebecker, Sehsam Verlag Erfurt 2010, S. 172)

Station 7 – Alttrachau/ Thema: Die Rahmen der Gemälde

Im Anger von Alttrachaus wohnt W. B., der dem Maler Theodor Rosenhauer über drei Jahrzehnte lang die Rahmen zu seinen Gemälden anfertigte – sowohl die Keil- als auch die Schmuckrahmen. Die Bemalung der Rahmen übernahm der Künstler jedoch selbst. 

Die beiden lernten sich kennen, als Herr B. in den 1960er Jahren auf diesen Hof einheiratete. Sein Schwiegervater war mit dem Künstler seit Kindertagen bis ins hohe Alter befreundet. Auf der Website ist dazu ein Interview mit Herrn B. abrufbar.

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Erstellt von:
Hufewiesen Trachau e.V.
Katrin Bielmeier, Kunsthistorikerin
Anne Hilliger, Medienpädagogin
Dresden, März 2026