Die dritte Geburt der Hufewiesen

"Es gibt Werte, die kann keiner zählen." - Erich Kästner

Das Besondere an den Hufewiesen auf den Punkt gebracht.



Die Hufewiesen bewahren!
Für diese Idee setzen wir uns seit längerem ein. Dabei haben wir uns auf verschiedene Weise organisiert – je nachdem, wie wir unsere eigenen Unternehmungen auffaßten.

  1. Es begann mit einer Bürgerinitiative. Ihr wichtigster Zweck: zu verhindern, daß ein Planungsverfahren für eine Bebauung auf den Hufewiesen eingeleitet wird. Das haben wir geschafft.
  2. Nur wenige Monate später gründeten einige Aktive den Verein „Hufewiesen Trachau“. Der setzt sich für Naturschutz, Denkmalschutz, Jugendarbeit und bürgerschaftliches Engagement ein. Die Botschaft: Wir sagen nicht einfach „Nein, hier nicht!“. Wir wollen auch selbst gestalten und Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen. Das ist eine Aufgabe fürs Leben – und über Generationen hinweg.
  3. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir wollen eine Kampagne organisieren, um die Hufewiesen durch eine Stiftung zu erwerben. Das ist die dritte Geburt der Hufewiesen als einer Idee, die Menschen zusammenbringt. Und zwar auf einer Grundlage, die auch über politische, gesellschaftliche und menschliche Schwankungen hinweg trägt.

Warum eine Stiftung? Soll’s die Politik doch richten! Die Stadt kann doch das Gelände kaufen…

Und dann? Mit dem Kauf allein ist es doch nicht getan!

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Die Hufewiesen sind etwas Besonderes, weil sie bäuerliche Fluren und halbwilde Naturräume mitten in der Stadt bieten. Dieses Besondere zu erkennen, zu pflegen und lebendig zu erhalten, ist etwas, was kein Ratsbeschluß, keine Verordnung herbeiführen können. Dafür braucht es Menschen mit Begeisterung und Tatkraft. Und diese Menschen brauchen eine Organisation. Deshalb die Stiftung.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir auch andere Modelle geprüft, um die Rettung der Hufewiesen zu organisieren. Etwa ein Verein auf einer breiteren Grundlage. Eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft, beide auch in gemeinnützigen Spielarten. Eine Genossenschaft. Ein Zweckverband mit einem konventionellen Projektentwickler. Und Mischformen zwischen all diesen Varianten. Aber letztlich bietet eine Stiftung die überzeugendste Antwort auf drei zentrale Fragen:

  • Wie kann man die Hufewiesen auf Dauer bewahren?
  • Wie kann man die Hufewiesen öffentlich zugänglich bewahren?
  • Wie schafft man eine wirtschaftlich solide Grundlage dafür, die Hufewiesen zu bewahren?

Die Idee einer Stiftung begleitet uns schon seit den Anfängen. Der ursprüngliche Name der Bürgerinitiative lautete „Waldpark Trachau“. Das war eine Anspielung auf den Waldpark in Dresden-Blasewitz, der um 1870 von weitsichtigen Bürgern vor der Bebauung bewahrt wurde, indem sie eine Aktiengesellschaft für die städtebauliche Entwicklung des Umlands bildeten und die Randgrundstücke verkauften, um aus dem Erlös eine Stiftung für den Erhalt des Blasewitzer Tännicht zu finanzieren. So etwas sollte doch auch für die Hufewiesen möglich sein! Schon Ende 2012 beriet unser Vorstand darüber mit dem Geschäftsführer der Bürgerstiftung Dresden. Aber es fehlte ein überzeugendes Konzept. Erst 2014 entstanden Kontakte, die dafür eine Lösung bieten können: zu Matthias Daberstiel, dem Geschäftsführer der Spendenagentur in Dresden, und über den von ihm organisierten Sächsischen Fundraising-Tag dann auch zu Mathias Kröselberg von probono berlin. Mit ihm haben wir in mehreren Runden erörtert, wie gut die Chancen dafür stehen, die Hufewiesen durch eine Kampagne für eine Stiftung zu retten. Das Ergebnis: Laßt es uns versuchen!

Der erste Schritt: Vision trifft Handwerkszeug – ein Tagesseminar mit Mathias Kröselberg und Wieslern. Am 17. Januar 2015. In Dresden. Mehr dazu im Beitrag „Einladung zu einer Reise mit offenem Ausgang“.

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Rückblick 2014

2014 war hoffentlich ein gutes Jahr für Sie und für Euch!
Aus der Sicht der Hufewiesen war es das Jahr Nummer Vier seit den ersten Aktionen zur Erhaltung dieses Kleinods.

Vier Jahre – das ist eine gute Gelegenheit für einen Rückblick bis zu den Anfängen. Deutlich läßt sich ein Trend erkennen: Die Idee von den Hufewiesen als öffentliches Grün hat seit 2011 immer mehr an Fahrt gewonnen!

Hufewiesen: Meilensteine 2011-2014

Hufewiesen: Meilensteine in den Jahren 2011 bis 2014

Wir nehmen diese Bilanz zur Grundlage, um 2015 noch einen Schritt weiter zu gehen. Unser Ziel: Wir wollen eine Kampagne für den Kauf der Hufewiesen durch eine Stiftung aufbauen. Der erste Schritt: ein Seminar mit Dr. Mathias Kröselberg von probono berlin. Mehr dazu im Beitrag „Die dritte Geburt der Hufewiesen“.

Über die Ereignisse von 2014 haben wir schon viel in früheren Beiträgen geschrieben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr viel reden. Stattdessen habe ich ein paar Bilder ausgesucht – von dem, was auch geschah, unterwegs sozusagen, und was nachklingt. (Bitte anklicken für eine Bilderschau.)

Ihnen und Euch wünschen alle Wiesler:

Frohes Neues Jahr!

"Es gibt Werte, die kann keiner zählen." - Erich Kästner

Januar und April 2014: Ausschnitt aus den Präsentationen zum Abschluß der Bürgerbefragung und in der „socialbar“ im Alten Wettbüro.

umundu-Festival 2014

umundu 2014.
Zum sechsten Mal fand dieses besondere Festival statt.
Getragen vom sukuma arts e.V..

Die Idee: Konsum hier, Entwicklung anderswo – Lebensmodelle hinterfragen. Konzerte, Filme, Aktionen, Diskussionen, Austausch. Organisiert als offene Plattform, wo andere Initiativen und Förderorganisationen ebenso anknüpfen können wie einzelne Interessierte. – Diese Idee wächst und gedeiht. Das zeigt das vielfältige Programm für 2014.

Die Hufewiesen waren 2013 zum ersten Mal beim umundu-Festival dabei. Damals noch spontan und provisorisch, als Gast bei einer anderen Initiative auf dem abschließenden Festivalmarkt. In diesem Jahr nun wollten wir die ganze umundu-Erfahrung mitmachen. Da kam uns das diesjährige Motto des Festivals gerade recht: „Das gute Leben. Was brauchen wir für unser Glück?“

Unsere Antwort ist klar:
Für unser aller Glück brauchen wir ein Bürgergrün auf den Hufewiesen!

  • Als Oase.
  • Als Gegenpol für das städtische Leben.
  • Als Ort, wo Gemeinschaft entsteht.
  • Wo natürliche Lebensräume von Menschen behutsam gestaltet werden.
  • Als Wissensraum. Als Erfahrungsraum.
  • Als Modellbetrieb für Landbau und für die Produktion von Lebensmitteln.

Diese Vision haben wir auf dem umundu-Festival vorgestellt: bei einem Bürgerspaziergang mit Kaffeetrinken im Goldenen Lamm und mit einem eigenen Stand auf dem abschließenden Festivalmarkt.

Der Spaziergang war sehr gut besucht mit fast 30 Interessierten. Auch der Stand beim Festivalmarkt zog viele Menschen an, vor allem wegen des großen, auf Leinwand gezogenen Luftbilds von den Hufewiesen. Bilder sagen eben mehr als Worte…

Erstmals konnten wir Trachenhonig aus Beuten an den Hufewiesen anbieten. Die glücklichen Abnehmer können sich die Hufewiesen jetzt auch auf der Zunge zergehen lassen. Vielen Dank an die Grafikerin Ines Hoffmann für die Gestaltung des schmucken Etiketts!

Die Vision für die Hufewiesen ist noch nicht fertig. Wir entwickeln sie weiter in Gesprächen mit dem Eigentümer, mit der Stadtverwaltung und Politikern und mit Fachleuten für Stadtgrün, Landbau und Bürgerengagement. Gerne möchten wir diesen Prozeß möglichst offen, reichhaltig und produktiv gestalten. Das umundu-Festival bot uns die Gelegenheit, das auszuprobieren. Beim Bürgerspaziergang und auf dem Festivalmarkt zeigten wir dazu auf Bannerfolie eine Skizze, die die wesentlichen Teilräume und Gestaltungselemente des künftigen Bürgergrüns veranschaulicht (siehe auch unser Konzept für ein Bürgergrün vom Juli 2014). Wir hofften, so mit den Besuchern und Spaziergängern ins Gespräch zu kommen.

So einfach ging es dann aber doch nicht. Für gute Ideen braucht man dann doch mehr Konzentration, Zeit, eine klare Beschreibung der Möglichkeiten und ein klares Verfahren dafür, wie die Vorschläge verwendet werden. Auch diese Erfahrung nehmen wir aus dem Festival mit.

Wir freuen uns schon auf die nächsten Impulse aus dem umundu-Netzwerk und auf das Festival 2015!

Bienen, Füchse & Pandabären – Wiesler auf dem Mozfest

Der Rotfuchs ist das Logotier des Mozilla Firefox Browsers. Im Chinesischen bezeichnet Firefox sowohl den uns bekannten Rotfuchs wie auch den „kleinen Panda“.
Ok, soweit klar und was hat das mit den Hufewiesen zu tun?

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Firefox gesichtet auf dem Mozfest 2014

Ein paar Wiesler kamen auf die Idee einen Workshop-Vorschlag für das diesjährige Mozilla Festival einzureichen. Die Idee stieß bei den Festival-Organisatoren auf Gegenliebe und schwups waren wir in London mit dabei.

Worum geht’s beim ‚Mozfest‘? „Komm mit einer Idee, stelle sie interessierten (Web-)Aktivisten aus aller Welt vor und gehe mit einer Community!“
Die Organisatoren stellen den Rahmen, den Rest machen die Workshopleiter und Besucher. Unterteilt in 11 Themengebiete wurde etwa von Kunst und Kultur, Journalismus bis zum offenem Internet ein breites Spektrum geboten, also auch Themen, bei denen Nullen und Einsen eine untergeordnete Rolle spielten. So zog es 1600 Besucher auf das ausgebuchte Festival, denen 343 Workshops geboten wurden.

Die Idee unseres Workshops:
Im Zeitalter der Datenbanken und Smartphones stellten wir uns die Frage welche Daten zur Lösung unseres Konflikts einen Beitrag leisten könnten. Mit welchen Daten können wir den Wert unserer „grünen Oase“ ausdrücken? Können diese Daten zur Planung der zukünftigen Nutzung beitragen? Wie können diese gesammelt und präsentiert werden? Und gibt es andere Menschen die so etwas in ihren Angelegenheiten benutzen oder vielleicht mal darüber nachdenken sollten?

Was kam dabei raus:
Zunächst: jede Menge Inspiration! Nicht nur von unserem Workshop, sondern auch vom Rest des Festivals und den Tätigkeiten der Mozilla-Stiftung an sich. Wie wäre es, wenn auch Menschen, denen Technik eher fremd ist, zu Mitgestaltern der digitalen Welt werden können? Was für Werkzeuge braucht es dafür? Laßt sie uns entwickeln! Die Kraft dieser Vision war auf dem Festival an vielen Beispielen zu spüren. Eigene Videos erstellen mittels „Popcorn“, eine eigene App basteln mit dem „Appmaker“ oder eine Webseite erstellen mit dem „Webmaker“ (alles Werkzeuge, die von der Mozilla-Stiftung genau dafür entwickelt worden sind).
Michelle und Andi, seit 10 Jahren aktiv in der Stadtentwicklung von Toronto, gaben einen Workshop zu „Stadtplanung selbermachen“ und präsentierten eine hierzu erstellte Anleitung, realisiert mit dem Webmaker, zu finden unter:
http://www.citizensinplanning.com -> Your Story Goes Here
In einem weiteren Workshop ging es um die Idee, mit vernetzten Bildschirmen kleine Läden in aussterbenden Innenstädten unter die Arme zu greifen.

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Bauklötze staunen und auch selbst zu einem werden

Und wo gab‘s Bienen?
Die Bienen waren die Festivalbesucher. Zwei Tage lang bildeten Menschen aus der ganzen Welt ein brummendes Bienenvolk, bei dem jeder zugleich Wissensspender und Empfänger wurde und so zum Wohle des großen Ganzen beitrug. Mit dem beeindruckenden Ravensbourne schien der perfekte Bienenstock gefunden zu sein.
Brummte einem auch manchmal der Kopf, war es trotzdem ein inspirierendes und lohnenswertes Erlebnis. Nun geht das Leben im schönen Dresden weiter. Mal sehn, was hier aus den Assoziationen entsteht, welche die Füchse, Pandabären und Bienen in Ravensbourne hinterlassen haben!
Hej, klingt spannend. Vielleicht kann ich andocken? -> email hidden; JavaScript is required.

Bilderquellen:
https://www.flickr.com/photos/mozillaeu/
https://www.flickr.com/photos/paul_clarke/
https://www.flickr.com/photos/dougbelshaw/
https://www.flickr.com/photos/neon_lobster/
https://www.flickr.com/photos/christosbacharakis/
https://www.flickr.com/photos/cubicgarden/

Die Hufewiesen als Bürgergrün: Leitideen

Die Hufewiesen sollen grün bleiben. Sagen viele.
Aber: Wie kann das konkret aussehen?

Zum Beispiel so: In 30 Stationen veranschaulichen wir

  • die Geschichte der Hufewiesen
  • den Flair
  • die Aufteilung in drei Zonen
  • wie in jeder Zone durch naturnahe Bewirtschaftung unterschiedliche Lebensräume entstehen
  • wie dort neue Spielräume für die Sinne entstehen können
  • und was das Ganze zu einem Bürgergrün macht

Seht selbst!

Zu schnell zuviel?
Kein Wunder. Die Bilder geben wieder, was sich in Monaten des Suchens und Erörterns herauskristallisiert hat. Im Januar 2014 hatten wir im Verein und mit Interessierten eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um ein Konzept für die Hufewiesen als öffentliches Grün zu erarbeiten. Zwei Fachfrauen koordinierten die Überlegungen:

  • Christina Scharun, angehende Freiraum-Planerin und B.A.-Kandidatin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
  • Frau Prof. Erika Schmidt, emeritierte Expertin an der TU Dresden für Geschichte der Landschaftsarchitektur

Das gemeinsame Nachdenken erzeugte eine eigenen Sog. Je konkreter wir fragten, desto deutlicher schälten die Antworten sich von selbst heraus. So entstand ein erstaunlich klares Bild davon, wie die Hufewiesen als öffentliches Grün aussehen könnten.

In Worte gefaßt
Fünf Eckpunkte tragen das Konzept:

  1. Bürgergrün: Die Wortschöpfung faßt schon viel zusammen: Wir stellen uns die Hufewiesen als ein öffentlich zugängliches Grün vor. Ein Grün, das von Bürgern gestaltet und gepflegt wird, also nicht von einem Amt, und auch nicht aus den Köpfen einiger weniger Planer heraus.
  2. Potential des Ortes: Die Hufewiesen sind kein leerer Fleck. Sie sind ein Stück Land, das seit 800 Jahren urbar gehalten und gärtnerisch beziehungsweise bäuerlich genutzt wurde. Heute liegen sie zusammen mit dem historischen Anger von Alttrachau mitten in der Stadt. Wenn das keine Geschichte ist! Daran soll das Bürgergrün anknüpfen!
  3. Das Vorhandene: In den letzten 20 Jahren (seitdem die Hufewiesen aufgekauft wurden und brach fielen) hat sich das Landschaftsbild stark verändert. Waldstücke sind spontan entstanden; die Nutzung als Pferdeweide ließ dagegen weite offene Flächen entstehen, während ehemalige Gärten verwilderten. Das Bürgergrün greift die so entstandenen Zonen auf und baut sie aus.
  4. Vielfalt, naturnah: Es gab Zeiten, da legten die Menschen Gärten an, um zu zeigen, wie weit sie die Natur ihren Vorstellungen anpassen konnten. Heute ist die Neugier darauf zurückgekehrt, was die Natur selbst an Wundern vollbringt, wenn man nur die geeigneten Bedingungen dafür schafft. Viele Gärtner wetteifern darum, möglichst vielfältige Lebensräume anzulegen und auf diese Weise natürliche Synergien zu vervielfachen. Die Hufewiesen passen ideal in diese Suche durch ihre bisherige Geschichte als vorindustrielle bäuerlicher Flur und als Spontanvegetation bzw. Weidelandschaft. Das Bürgergrün soll diesen Reichtum erst recht entfalten, indem man die gärtnerischen Eingriffe und auch die Nutzungen gezielt beschränkt.
  5. Spielräume der Sinne: Freiräume für die Natur, aber auch für die Sinne. Das bieten die Hufewiesen schon jetzt; das haben viele Teilnehmer der Bürgerbefragung betont. Im Bürgergrün soll dieser Zusammenhang bewußt gepflegt werden.

Kurz und bündig:
Stichworte zum Konzept für die Hufewiesen als Bürgergrün auf einer Seite (pdf)

Ja, aber…
… wie kommen wir denn nun dahin?

Schritt für Schritt. Am 17. Juli haben wir bei einer HufeRunde das Konzept öffentlich vorgestellt. Die Bilder sind in den Köpfen; eine Richtung ist aufgezeigt. Jetzt geht die Arbeit erst richtig los.

Siehe auch:
Wie kann es weitergehen?

Zur Vorgeschichte:
Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion

HufeRunde am 17. Juli – Ihr habt was verpaßt!

Wir schreiben den 28. September. Die letzte HufeRunde liegt zehn Wochen zurück, und wir berichten erst erst jetzt darüber. Warum? Ehrlich gesagt: Weil wir selbst erst einmal sehen mußten, wie es nun weitergehen kann. Aber erzählen wir lieber der Reihe nach:

Es war ein prächtiger Sommerabend. Der letzte Tag vor den Sommerferien. Für den Abend des 17. Juli hatte der Verein Hufewiesen Trachau ins Goldene Lamm eingeladen. Exakt ein Monat war vergangen, seit die Thomsen Group aus Hamburg inm Auftrag des Haupteigentümers der Hufewiesen, der ADLER Real Estate AG, ihre Vision von einer Entwicklung des Geländes zu einer grünen Wohnsiedlung präsentiert hatte.

Knapp dreißig Menschen füllten die Stühle im Erdgeschoß des Goldenen Lamms. Alle wollten erfahren, wie eine Alternative zu den Bauwünschen der ADLER Real Estate AG aussehen könnte. Kurioserweise waren aktive Lokalpolitiker dabei fast in der Überzahl:

Prominente Gäste bei der HufeRunde am 17. Juli 2014

Prominente Gäste bei der HufeRunde am 17. Juli 2014

  • Prominentester Gast war Markus Ulbig, derzeit sächsischer Innenminister und Kandidat der CDU für den hiesigen Wahlkreis bei der Landtagswahl Ende August (inzwischen direkt gewähltes Mitglied des Landtags).
  • Außerdem waren Stadträte, Ortsbeiräte und Mitglieder der Kreisvorstände von LINKEN, SPD, GRÜNEN, PIRATEN und FDP der Einladung gefolgt (siehe Schaubild).
  • Es wären beinahe noch mehr gewesen: Kati Bischoffberger und Ulrike Caspary, neugewählte Stadträtinnen der GRÜNEN, und Gunter Thiele, frisch gekürter baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat, mußten wegen Überschneidungen mit Gremiensitzungen leider absagen, baten aber ausdrücklich darum. weiter informiert zu werden.

Der Abend begann klassisch. In rund 30 Minuten erläuerte die Vereinsvorsitzende Anja Osiander mit Hilfe vieler Schaubilder und eines Thesenpapiers die Vision des Vereins von den Hufewiesen als Bürgergrün.

Dann war das Publikum an der Reihe. Und das war der Moment für Veit Böhm, frischgewählter Stadtrat für Pieschen und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes. Mit gewohnter Zielsicherheit wandte er sich an die beiden Vertreter der Unternehmensberatung Thomsen, die eigens für diesen Abend aus Hamburg angereist waren:

„Na, was sagen Sie denn dazu als Vertreter des Eigentümers?“

Das wollte Herr Böhm wissen. Und das ließ Herr Spiekermann (Thomsen Group) sich nicht zweimal fragen. Mit energischen Schritten eilte er nach vorn. In bisher nicht erlebter Klarheit stellte er die Position des Haupteigentümers der Hufewiesen, der ADLER REAL ESTATE AG, dar:

  • Vieles von den Vorstellungen des Vereins für das Bürgergrün sei doch in den Vorschlag von Thomsen für einen öffentlichen Grünkorridor in der Mitte des Geländes bereits eingeflossen…
  • Das Argument, daß Teile der Hufewiesen nicht bebaut werden könnten, sei für ADLER nicht stichhaltig. Alle planungsrechtlichen Einschränkungen ließen sich ausräumen, sei es durch technische Maßnahmen, sei es durch politische Entscheidungen; nötigenfalls auch durch einen Streit vor Gericht.
  • Deshalb würde die ADLER nicht von ihren Preisvorstellungen für die Grundstücke im Besitz ihrer Tochtergesellschaft MBG Trachau abrücken. Mindestens 5 Millionen Euro wolle sie einnehmen für ihre zehn Hektar Land auf den Hufewiesen.
  • Würde diese Forderung nicht erfüllt, bliebe das Gelände eben weiter abgesperrt – notfalls auch für Jahre.

Damit war das Feld eröffnet. Der Ton blieb freundlich und höflich, in der Sache aber entspann sich ein unverblümter Schlagabtausch zwischen den Vertretern von Thomsen, den anwesenden Wieslern und den zahlreich erschienenen Politikern. Die Einzelheiten des Konzepts für ein Bürgergrün gerieten darüber zur Nebensache. Welche Seite denn endlich mal Realitäten zur Kenntnis nehmen müßte und wo und wie denn überhaupt ein Kompromiß gefunden werden könnte, darum ging es in der Hauptsache.
Nach knapp zwei Stunden, als die Luft schon sehr dick geworden war, brachte schließlich Maurice Devantier, Ortsbeirat für die LINKE in Pieschen, einen salomonischen Vorschlag an:

Die Einzelheiten sind eigentlich nicht wichtig. Am besten wäre, einfach der ADLER das Geld zu geben, das sie verlangt! Warum? Weil schon für so viele Zwecke sinnlos 5 Millionen Euro ausgegeben worden sind, daß diese Investition sich im Vergleich dazu auf jeden Fall lohnt!

Auf diesem Höhepunkt endete die HufeRunde offiziell. Inoffiziell standen Wiesler, Politiker und die Vertreter von Thomsen noch lange in kleinen Gruppen im Saal und in der Sommernacht auf der Straße beisammen und tauschten weiter Gedanken und Ansichten aus.
Der Abend machte zum Greifen deutlich, welch ein Spannungsbogen sich zwischen den Visionen des Eigentümers (bzw. der Unternehmensberatung) auf der einen Seite und des Vereins auf der anderen Seite auftut.
Wir sagen: Danke an alle, die den Bogen an diesem Abend mitgespannt haben!

Mehr zum angekündigten Thema des Abends:
Hufewiesen als Bürgergrün: Leitideen

Die nächste Etappe im Bogenspannen/Brückenschlagen wartet schon:
Wie kann es weitergehen?

17. Juli: Große HufeRunde

Am 17. Juli kommen wieder die verschiedenen Arbeitsgruppen zur großen HufeRunde zusammen. Hier tauschen sich die Wiesler über die Ereignisse der vergangenen Wochen aus und planen zukünftige Tätigkeiten. Dies ist auch ein Ort für Interessierte, um Fragen zu stellen und sich aktiv einzubringen.

Themen:

Los geht es am Donnerstag, den 17. Juli, um 20:15 Uhr, im Goldenen Lamm, Leipziger Straße 220.

Fragen bitte an email hidden; JavaScript is required.

Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion

So. Thomsen war da.

Und wir?
Wie wollen wir denn die Hufewiesen entwickeln?

>> Auftritt Thomsen: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Hufewiesen als Bürgergrün: Drei Zonen, wenig Infrastruktur.

Hufewiesen als Bürgergrün: Drei Zonen, wenig Infrastruktur.

Darüber hat sich eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten und Bürgern seit November 2013 Gedanken gemacht. Ihre Aufgabe war es, die Wünsche und Anregungen aufzugreifen, die Bürger und Fachleute in unserer Bürgerbefragung zu den Hufewiesen im Herbst 2013 geäußert hatten. Zusammentragen, abwägen, diskutieren, recherchieren, ergänzen, sortieren, weiterentwickeln. Im Juni 2014 haben wir die Arbeit abgeschlossen. Nun liegt ein Entwurf für ein Konzept vor. Vielen Dank an alle, die sich eingebracht haben!

Der Entwurf stellt dar, wie die Hufewiesen als öffentliches Grün gestaltet werden können, und zwar von den Bürgern selbst. Folgende Fragen wollen wir beantworten:

  • Was ist das Besondere an den Hufewiesen als öffentliches Grün?
  • Wieso bringt ein Bürgergrün einen höheren gesellschaftlichen Mehrwert als eine Bebauung?
  • Wie kann das konkret aussehen?
  • Wie läßt sich das nachhaltig und finanziell solide organisieren?

Ausgeklammert bleibt die Frage, wie eine Einigung mit den derzeitigen Eigentümern herbeigeführt werden kann. Diese Frage gehört zu Schritt 2. Sie wird sich erst stellen, wenn das Konzept fertig ist. Erst dann wird es auch wieder um eine mögliche Bebauung am Rande der Hufewiesen gehen – um das Für und Wider und das Ob überhaupt.

Schritt 1: Entwurf zur Diskussion!

Das künftige Bürgergrün auf den Hufewiesen: Wie kann, wie soll es aussehen?
Wir schlagen vor:

  • Die Hufewiesen als grünes Herz in einem Stadtraum voller historisch gewachsener Kontraste
  • Bäuerliche Prägungen als Leitideen für die Gestaltung: Räumliche Gliederung in Hufen; Beschränktheit der Mittel im Verhältnis von Mensch und Natur
  • Gewachsene Zonen von Wald, Wiesen und Gartenland erhalten; Infrastruktur bleibt rudimentär
  • Hufewiesen als Spielräume – für das Denken, für die Sinne, das Miteinander = Lebensgrundlage für städtisches Leben
  • Stiftung als Träger; Pächter und sonstige Nutzer übernehmen Pflege und Gestaltung

Zum Weiterlesen: Entwurf zum Konzept, Stand 15. Juni 2014 (pdf)

Mitmachen:
Wir diskutieren über den Entwurf in der großen HufeRunde am Donnerstag, 17. Juli, 20:15 Uhr im Goldenen Lamm, Leipziger Straße 220. Dabei sprechen wir auch darüber, wie wir das Konzept öffentlich machen und weiterentwickeln können.

Das erste Buch über die Hufewiesen

Das erste Buch über die Hufewiesen ist da!

Bachelorarbeit von Christian Scharun über die Hufewiesen, April 2014

Bachelorarbeit von Christian Scharun über die Hufewiesen, April 2014

Im April 2014 hat Christina Scharun an der Fakultät Landbau/Landespflege der HTW Dresden ihre Bachelorarbeit zu den Hufewiesen eingereicht. Der Titel ist lang und beeindruckend:

Partizipation und Leitbildentwicklung für informell genutzte Freiräume in der Stadt.
Das Nutzungs- und Gestaltungskonzept des Vereins „Hufewiesen Trachau e.V.“ in Dresden.

Die Arbeit beschreibt und analysiert in fünf Kapiteln:

  1. die Aufgabenstellung samt Materialien und Methodik
  2. den Ort
  3. den Verein als zentralen Akteur für die Organisation der Bürgerbeteiligung
  4. die verschiedenen Verfahren der Partizipation, die erprobt wurden
  5. die Ergebnisse in Form von Vorschlägen für Gestaltung und Nutzung des Freiraums

Beigefügt sind außerdem:

  • ein umfassender Anhang mit weiteren Informationen, Dokumenten und Abbildungen
  • insgesamt zehn von Christina Scharun erstellte Plandarstellungen

Das Ganze ist so umfangreich, daß es in einer kleinen schwarzen Schatzkiste untergebracht ist.
Alle Interessierten können die Arbeit gerne einsehen! email hidden; JavaScript is required

Wir sagen: Vielen Dank, Christina! Und toitoitoi für die öffentliche Verteidigung am 13. Mai und für Deine weitere Laufbahn als Freiraumplanerin!

Die Bürgerbefragung 2013 in bewegten Bildern

Im August 2013 war das Jahr voll.

12 Monate Absperrung der Hufewiesen. 12 Monate Wachdienst und Platzverweise. 12 Monate Unkrautwuchern hinter Bauzäunen und Flatterband.

Diesem Stillstand wollten wir nicht länger tatenlos zusehen.
Also riefen wir die Bürger auf, sich zu Wort zu melden: in unserer Bürgerbefragung!

Auf 10.000 Postkarten wurde das Programm der Bürgerbefragung 2013 bekanntgemacht.

Auf 10.000 Postkarten wurde das Programm der Bürgerbefragung 2013 bekanntgemacht.

  • Am 21. September 2013 begann es mit einem symbolischen „Kirchsteigputz“.
  • Es folgten Bürgerspaziergänge, ein Gesprächsabend mit Fachleuten und ein „Bazar der Möglichkeiten“ als je vierstündige Ideenwerkstatt in zwei Teilen.
  • Parallel dazu lief unsere Umfrage zur Zukunft der Hufewiesen.
  • Am 29. Januar 2014 dann der krönende Abschluß: eine Bürgerversammlung im Großen Saal im „Goldenen Lamm“ mit Uwe Steimle.

Und nun?

Die Befragung hat viel in Bewegung gesetzt. Neue Wiesler sind dazugestoßen, neue Ideen sind aufgetaucht, neue Netzwerke spinnen sich immer weiter. Noch steht der Zaun rund um die Hufewiesen. Aber der Wachdienst ist abgezogen, und in vielen Gesprächen kristallisieren sich die Eckpunkte für eine mögliche Einigung mit der ADLER Real Estate AG heraus.

Wie das kam, das zeigen diese Eindrücke und O-Töne von der Befragung 2013:


Kirchsteigputz im September 2013


„Bazar der Möglichkeiten“ – Teil 1
in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung am 12. Oktober 2013


Stimmen zu den Hufewiesen – eingefangen beim „Bazar der Möglichkeiten“, Teil 2,
im Goldenen Lamm am 16. November 2013
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