Einladung zu einer Reise mit offenem Ausgang

Herausforderung erwünscht - Die Hufewiesen und Du

Mitreisende gesucht.

Die Hufewiesen laden ein zu einer Reise mit offenem Ausgang.
Erste Station: Sonnabend, 17. Januar 2015, 10 bis 17 Uhr.

Mit an Bord:

  • Ein erfahrener Berater.
  • Eine Runde wißbegieriger Menschen, die eins eint: die Begeisterung für die Hufewiesen.

Reiseziel:
Noch sind die Hufewiesen Privateigentum und liegen brach. Aber sie können etwas ganz anderes sein:
Ein Ort für alle.
Eine bäuerliche Flur, gehegt und gepflegt.
Ein Lebensraum für Menschen, Pflanzen, Tiere.
Ein Ort des Wissens, des Erntens, des Feierns.
Ein Ort für Kinder (und Kindgebliebene).

Am 17. Januar treffen wir uns, um den Weg zu entwerfen, auf dem aus diesen Ideen Wirklichkeit wird. Mit Hilfe vieler Menschen. Organisiert durch eine Kampagne. Vision trifft Handwerkszeug.


Ist das etwas für mich?
Hier der Test:

  1. Ich sehe etwas Besonderes in den Hufewiesen: JA/NEIN
  2. Ich würde gerne anderen Menschen von den Hufewiesen erzählen: JA/NEIN
  3. Ich glaube, daß Menschen diese Welt besser machen können: JA/NEIN
  4. Ich möchte gerne genauer wissen, wie man das Bessermachen dieser Welt am besten anfängt: JA/NEIN
  5. Ich sehe eine Chance, im kommenden Jahr mein Leben so einzurichten, daß ich auch Zeit für die Hufewiesen habe: JA/NEIN

Mindestens viermal mit JA geantwortet?
Dann ist diese Reise etwas für Sie/für Dich!

Bordkarten und weitere Informationen zur Route gibt es email hidden; JavaScript is required.

Wir freuen uns auf Dich/ auf Sie und auf die gemeinsamen Entdeckungen!

Paradox des Fundraising

Das Paradox gilt auch für die Hufewiesen: Geld ist entscheidend – und auch wieder nicht.

Die dritte Geburt der Hufewiesen

"Es gibt Werte, die kann keiner zählen." - Erich Kästner

Das Besondere an den Hufewiesen auf den Punkt gebracht.



Die Hufewiesen bewahren!
Für diese Idee setzen wir uns seit längerem ein. Dabei haben wir uns auf verschiedene Weise organisiert – je nachdem, wie wir unsere eigenen Unternehmungen auffaßten.

  1. Es begann mit einer Bürgerinitiative. Ihr wichtigster Zweck: zu verhindern, daß ein Planungsverfahren für eine Bebauung auf den Hufewiesen eingeleitet wird. Das haben wir geschafft.
  2. Nur wenige Monate später gründeten einige Aktive den Verein „Hufewiesen Trachau“. Der setzt sich für Naturschutz, Denkmalschutz, Jugendarbeit und bürgerschaftliches Engagement ein. Die Botschaft: Wir sagen nicht einfach „Nein, hier nicht!“. Wir wollen auch selbst gestalten und Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen. Das ist eine Aufgabe fürs Leben – und über Generationen hinweg.
  3. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir wollen eine Kampagne organisieren, um die Hufewiesen durch eine Stiftung zu erwerben. Das ist die dritte Geburt der Hufewiesen als einer Idee, die Menschen zusammenbringt. Und zwar auf einer Grundlage, die auch über politische, gesellschaftliche und menschliche Schwankungen hinweg trägt.

Warum eine Stiftung? Soll’s die Politik doch richten! Die Stadt kann doch das Gelände kaufen…

Und dann? Mit dem Kauf allein ist es doch nicht getan!

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Die Hufewiesen sind etwas Besonderes, weil sie bäuerliche Fluren und halbwilde Naturräume mitten in der Stadt bieten. Dieses Besondere zu erkennen, zu pflegen und lebendig zu erhalten, ist etwas, was kein Ratsbeschluß, keine Verordnung herbeiführen können. Dafür braucht es Menschen mit Begeisterung und Tatkraft. Und diese Menschen brauchen eine Organisation. Deshalb die Stiftung.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir auch andere Modelle geprüft, um die Rettung der Hufewiesen zu organisieren. Etwa ein Verein auf einer breiteren Grundlage. Eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft, beide auch in gemeinnützigen Spielarten. Eine Genossenschaft. Ein Zweckverband mit einem konventionellen Projektentwickler. Und Mischformen zwischen all diesen Varianten. Aber letztlich bietet eine Stiftung die überzeugendste Antwort auf drei zentrale Fragen:

  • Wie kann man die Hufewiesen auf Dauer bewahren?
  • Wie kann man die Hufewiesen öffentlich zugänglich bewahren?
  • Wie schafft man eine wirtschaftlich solide Grundlage dafür, die Hufewiesen zu bewahren?

Die Idee einer Stiftung begleitet uns schon seit den Anfängen. Der ursprüngliche Name der Bürgerinitiative lautete „Waldpark Trachau“. Das war eine Anspielung auf den Waldpark in Dresden-Blasewitz, der um 1870 von weitsichtigen Bürgern vor der Bebauung bewahrt wurde, indem sie eine Aktiengesellschaft für die städtebauliche Entwicklung des Umlands bildeten und die Randgrundstücke verkauften, um aus dem Erlös eine Stiftung für den Erhalt des Blasewitzer Tännicht zu finanzieren. So etwas sollte doch auch für die Hufewiesen möglich sein! Schon Ende 2012 beriet unser Vorstand darüber mit dem Geschäftsführer der Bürgerstiftung Dresden. Aber es fehlte ein überzeugendes Konzept. Erst 2014 entstanden Kontakte, die dafür eine Lösung bieten können: zu Matthias Daberstiel, dem Geschäftsführer der Spendenagentur in Dresden, und über den von ihm organisierten Sächsischen Fundraising-Tag dann auch zu Mathias Kröselberg von probono berlin. Mit ihm haben wir in mehreren Runden erörtert, wie gut die Chancen dafür stehen, die Hufewiesen durch eine Kampagne für eine Stiftung zu retten. Das Ergebnis: Laßt es uns versuchen!

Der erste Schritt: Vision trifft Handwerkszeug – ein Tagesseminar mit Mathias Kröselberg und Wieslern. Am 17. Januar 2015. In Dresden. Mehr dazu im Beitrag „Einladung zu einer Reise mit offenem Ausgang“.

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Rückblick 2014

2014 war hoffentlich ein gutes Jahr für Sie und für Euch!
Aus der Sicht der Hufewiesen war es das Jahr Nummer Vier seit den ersten Aktionen zur Erhaltung dieses Kleinods.

Vier Jahre – das ist eine gute Gelegenheit für einen Rückblick bis zu den Anfängen. Deutlich läßt sich ein Trend erkennen: Die Idee von den Hufewiesen als öffentliches Grün hat seit 2011 immer mehr an Fahrt gewonnen!

Hufewiesen: Meilensteine 2011-2014

Hufewiesen: Meilensteine in den Jahren 2011 bis 2014

Wir nehmen diese Bilanz zur Grundlage, um 2015 noch einen Schritt weiter zu gehen. Unser Ziel: Wir wollen eine Kampagne für den Kauf der Hufewiesen durch eine Stiftung aufbauen. Der erste Schritt: ein Seminar mit Dr. Mathias Kröselberg von probono berlin. Mehr dazu im Beitrag „Die dritte Geburt der Hufewiesen“.

Über die Ereignisse von 2014 haben wir schon viel in früheren Beiträgen geschrieben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr viel reden. Stattdessen habe ich ein paar Bilder ausgesucht – von dem, was auch geschah, unterwegs sozusagen, und was nachklingt. (Bitte anklicken für eine Bilderschau.)

Ihnen und Euch wünschen alle Wiesler:

Frohes Neues Jahr!

"Es gibt Werte, die kann keiner zählen." - Erich Kästner

Januar und April 2014: Ausschnitt aus den Präsentationen zum Abschluß der Bürgerbefragung und in der „socialbar“ im Alten Wettbüro.

Neue Gespräche mit dem Eigentümer

Die Hufewiesen sind bei dieser Unternehmensnachricht von ADLER nicht gemeint. Aber wir arbeiten daran.


Die Hufewiesen sind bei dieser Unternehmensnachricht von ADLER nicht gemeint. Aber wir arbeiten daran.
(Bildschirmfoto des ADLER-Auftritts, auf Bitten von ADLER ohne Logo.)

 

Am 10. November 2014 trafen sich Vertreter des Hufewiesen Trachau e.V. mit Herrn Stommel, dem zuständigen Geschäftsführer im ADLER-Konzern, in Dresden. Es war das erste direkte Gespräch über eine mögliche Gesamtlösung, seit im Dezember 2012 Vertreter des Vereins und eines Dresdner Investors erfolglos über einen Optionsvertrag mit ADLER verhandelt hatten.

Mit dabei waren zwei Berater der strategischen Unternehmensberatung Thomsen. Thomsen arbeitet seit anderthalb Jahren im Auftrag des Eigentümers  an einer Lösung für die Hufewiesen. Mit den Vertretern von Thomsen hatten wir in zwei Gesprächsrunden im September in Berlin und Hamburg Ansätze für eine Zusammenarbeit zwischen dem Verein und dem Eigentümer herausgearbeitet. Nun wollten wir diese Überlegungen mit der Stadtverwaltung erörtern.

Dazu hatte der Leiter des Stadtplanungsamtes, Herr Szuggat, hochkarätige Kollegen eingeladen. An dem Gespräch nahmen die zuständige Abteilungsleiterin in seinem Hause und zwei weitere Mitarbeiter teil, außerdem  auch Herr Dr. Korndörfer, der Leiter des Umweltamtes, und Herr Thiel, der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, sowie die Abteilungsleiter für Wasserschutz und Stadtökologie aus dem Umweltamt.

Das Besondere an dieser Zusammenkunft brachte Herr Dr. Korndörfer treffend auf den Punkt. In seiner 23-jährigen Amtszeit sei es ihm noch nicht passiert, daß ein Verein, der sich für Naturschutz einsetzt, die Interessen eines Eigentümers vertritt, welcher Bauland entwickeln möchte.

Aber genau das war an diesem Nachmittag das gemeinsame Ziel von ADLER und dem Hufewiesen Trachau e.V.. Denn dahinter steckte ein weitgehendes Zugeständnis des Eigentümers: Falls es gelänge, im Westen der Hufewiesen in ausreichender Dichte Baurecht zu schaffen, so sei sein Unternehmen bereit, den gesamten Osten unbebaut zu lassen. Die Grenze sollte in etwa dort verlaufen, wo die Pettenkofer Straße endet. Das bot Herr Stommel in Absprache mit uns als Lösung für die Entwicklung der Hufewiesen an.

Leider scheint diese Lösung so einfach nicht umsetzbar zu sein.
Das liegt daran, daß die Hufewiesen in einem alten Elbarm liegen. Bei der Flut 2002 waren sie größtenteils überschwemmt; 2013 verhinderte die neue Schutzmauer am Ballhaus Watzke nur knapp, daß das wieder geschah. Nun hängt alles davon ab, wie die Experten die Erfahrungen der Flut 2013 bewerten. Zur Zeit arbeiten sie an einem neuen Vorhersagemodell. Die Ergebnisse sollen Anfang 2015 vorliegen. Danach entscheidet sich, ob und in welchem Umfang Neubauten im Westen der Hufewiesen errichtet werden dürfen.

Die Verantwortlichen im Verein und der Eigentümer wollen auf jeden Fall im Kontakt bleiben und weiter an einem gemeinsamen Vorschlag für eine Entwicklung auf den Hufewiesen arbeiten. Der Vorstand der ADLER Real Estate AG, Herr Harloff, hat den Grundgedanken dahinter treffend auf den Punkt gebracht: „Miteinander reden ist immer gut.“

Wie kann es weitergehen?

Wie weiter? Die Antwort weiß zum Glück nicht nur der Wind. In den letzten Monaten seit der Präsentation des Konzepts für ein Bürgergrün haben wir in verschiedene Richtungen Fühler ausgestreckt, die Lage beschrieben, Rat und Meinungen eingeholt.
Zunächst erschien es so, als hätten wir ein großes Problem („Wie retten wir die Hufewiesen?“), das von schier unzähligen kleineren Fragen umschwärmt wird. Im Laufe der Gespräche änderte sich diese Sicht. Inzwischen zeichnen sich drei größere zusammenhängende Fragen ab.
Es ist fast wie im Märchen: Löse die drei Rätsel, dann ist die Prinzessin Dein… lies: Dann sind die Hufewiesen gerettet!

Drei größere Fragen wollen beantwortet sein, um eine Lösung für die Hufewiesen zu finden.

Drei größere Fragen wollen beantwortet sein, um eine Lösung für die Hufewiesen zu finden.

Und das sind die drei Hauptfragen:

  • Bürgergrün organisieren: Das ist die Kunst, Menschen in der Stadt auf Dauer für das Gärtnern zu gewinnen und sie selbst das Grün auf den Hufewiesen gestalten zu lassen. Dazu braucht es Rat, Gemeinschaft und Strukturen, die es ermöglichen, Freuden, Erfahrungen und Erfolge miteinander zu teilen und so gedeihen zu lassen.
  • Bürger als Projektentwickler: Das herkömmliche Verfahren der Stadtentwicklung funktioniert auf den Hufewiesen nicht – zum Glück! Das Ergebnis ist Stillstand. Wo formelle Planungsverfahren versagen und etablierte Immobiliengesellschaften und klassische Projektentwickler nicht mehr weiter wissen, öffnen sich Chancen für neue Akteure. Menschen, die eigentlich etwas anderes wollen, werden selbst zu Projektentwicklern, um die Räume dafür zu schaffen. Warum nicht auch auf den Hufewiesen?
  • Einigung mit dem Eigentümer: Sobald das Geld stimmt, können wir über die Wiesen verfügen. Das klingt erstmal wie eine klare Ansage, aber im Grunde geht es doch um so etwas schwer Faßbares wie Vertrauen. Wir, also Du und ich, werden die Hufewiesen nicht kaufen können. Das wird nur eine Organisation können, die vom Eigentümer als Geschäftspartner ernstgenommen wird.

Wir haben aber nicht nur Fragen zugespitzt, sondern auch Ansätze für Antworten aufgetan.

  • Bürgergrün organisieren: durch eine Gärtnerei als professionellen Partner. Eine Fahrt nach Leipzig, organisiert vom Gartennetzwerk Dresden im Rahmen ihres Programms „Seitentriebe“, bescherte da Anschauung aus erster Hand: Aus dem Gemeinschaftsgarten Annalinde ist im vergangenen Jahr ein Betrieb für Biogemüse hervorgegangen. Verfaßt als gGmbH und mit kräftiger Unterstützung durch einen Unternehmer aus Süddeutschland, der das Gelände einer kleinen Gärtnerei aufkaufte, um zu verhindern, daß dort eine Tankstelle eingerichtet wird. Heute gedeihen im Leipziger Westen mitten zwischen Wohnblöcken der Gründerzeit Zucchiniblüten und andere Köstlichkeiten, die auf große Nachfrage bei Leipiziger Restaurants stoßen.
  • Bürger als Projektentwickler: durch die Idee der Raumpioniere. Das Konzept geistert schon länger durch die Diskussionen von Stadtplanern, aber Klaus Overmeyer, Professor in Wuppertal, hat es weiterentwickelt zum Konzept von „Raumunternehmen“. Das sind Pioniere, die kommen, um zu bleiben, die also städtische Räume langfristig gestalten wollen. Dafür brauchen sie Zeit und Offenheit. Dafür erschließen sie neuartige Wege der Kooperation und Finanzierung. – Wir wollen ausloten, wie weit diese Idee auf die Hufewiesen übertragen werden kann. Dazu haben wir uns mit dem Büro transform aus Berlin zusammengetan. Mit transform haben wir im November 2013 einen Bazar der Möglichkeiten gestaltet. (Ja, das sind auch die mit der „Wahrnehmungswerkstatt“… Diese Idee bleibt weiter im Gespräch.)
  • Einigung mit dem Eigentümer: durch den Aufbau einer Stiftung als Käufer. Eine Stiftung braucht es auf den Hufewiesen aus zwei Gründen: Einmal, um sinnvoll und langfristig Geld anzusammeln. Zum anderen, um sinnvoll und langfristig auch die Idee von den Hufewiesen zu bewahren und zu entwickeln. Eine erfolgreiche Stiftung aber will mit Bedacht und Langmut entwickelt werden. Erste Kontakte zu professionellen Geburtshelfern dafür entstanden am 25. September beim Sächsischen Fundraisingtag.
Die Lösungsformel für die Hufewiesen konkretisiert. Die Quadratur des Kreises gelingt...

Die Lösungsformel für die Hufewiesen konkretisiert. Die Quadratur des Kreises gelingt…

Zu der Idee der Raumpioniere gab es auch schon erste Gespräche mit der Seite des Eigentümers. Am 10. und am 23. September trafen sich Vertreter des Vereins und von transform mit Beratern der Thomsen Group, die im Auftrag der ADLER Real Estate AG eine eigene Vision für die Hufewiesen entwickelt hatte.
Positiv ist: Wir haben überhaupt miteinander gesprochen. Allerdings überwog bei den Unternehmensberatern (noch) die Skepsis. Die Hauptknackpunkte:

  • Kann der Verein ein professioneller Partner sein?
  • Können die Raumpioniere tatsächlich Konzepte für langfristig auch wirtschaftlich interessante Nutzungen auf den Hufewiesen entwickeln?

Am 1. Oktober wollen die Vertreter von Thomsen sich mit dem Vorstand der ADLER Real Estate AG beraten. Dann sehen wir weiter.

Gespräch üper die Idee von Raumpionieren auf den Hufewiesen mit Vertretern des Vereins und der Unternehmensberatung Thomsen Group am 23. September 2014 in Berlin.

Gespräch üper die Idee von Raumpionieren auf den Hufewiesen mit Vertretern des Vereins und der Unternehmensberatung Thomsen Group am 23. September 2014 in Berlin.

Notizen beim Gespräch üper die Idee von Raumpionieren auf den Hufewiesen mit Vertretern des Vereins und der Unternehmensberatung Thomsen Group am 23. September 2014  in Berlin.

Notizen beim Gespräch üper die Idee von Raumpionieren auf den Hufewiesen mit Vertretern des Vereins und der Unternehmensberatung Thomsen Group am 23. September 2014 in Berlin.

HufeRunde am 17. Juli – Ihr habt was verpaßt!

Wir schreiben den 28. September. Die letzte HufeRunde liegt zehn Wochen zurück, und wir berichten erst erst jetzt darüber. Warum? Ehrlich gesagt: Weil wir selbst erst einmal sehen mußten, wie es nun weitergehen kann. Aber erzählen wir lieber der Reihe nach:

Es war ein prächtiger Sommerabend. Der letzte Tag vor den Sommerferien. Für den Abend des 17. Juli hatte der Verein Hufewiesen Trachau ins Goldene Lamm eingeladen. Exakt ein Monat war vergangen, seit die Thomsen Group aus Hamburg inm Auftrag des Haupteigentümers der Hufewiesen, der ADLER Real Estate AG, ihre Vision von einer Entwicklung des Geländes zu einer grünen Wohnsiedlung präsentiert hatte.

Knapp dreißig Menschen füllten die Stühle im Erdgeschoß des Goldenen Lamms. Alle wollten erfahren, wie eine Alternative zu den Bauwünschen der ADLER Real Estate AG aussehen könnte. Kurioserweise waren aktive Lokalpolitiker dabei fast in der Überzahl:

Prominente Gäste bei der HufeRunde am 17. Juli 2014

Prominente Gäste bei der HufeRunde am 17. Juli 2014

  • Prominentester Gast war Markus Ulbig, derzeit sächsischer Innenminister und Kandidat der CDU für den hiesigen Wahlkreis bei der Landtagswahl Ende August (inzwischen direkt gewähltes Mitglied des Landtags).
  • Außerdem waren Stadträte, Ortsbeiräte und Mitglieder der Kreisvorstände von LINKEN, SPD, GRÜNEN, PIRATEN und FDP der Einladung gefolgt (siehe Schaubild).
  • Es wären beinahe noch mehr gewesen: Kati Bischoffberger und Ulrike Caspary, neugewählte Stadträtinnen der GRÜNEN, und Gunter Thiele, frisch gekürter baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat, mußten wegen Überschneidungen mit Gremiensitzungen leider absagen, baten aber ausdrücklich darum. weiter informiert zu werden.

Der Abend begann klassisch. In rund 30 Minuten erläuerte die Vereinsvorsitzende Anja Osiander mit Hilfe vieler Schaubilder und eines Thesenpapiers die Vision des Vereins von den Hufewiesen als Bürgergrün.

Dann war das Publikum an der Reihe. Und das war der Moment für Veit Böhm, frischgewählter Stadtrat für Pieschen und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes. Mit gewohnter Zielsicherheit wandte er sich an die beiden Vertreter der Unternehmensberatung Thomsen, die eigens für diesen Abend aus Hamburg angereist waren:

„Na, was sagen Sie denn dazu als Vertreter des Eigentümers?“

Das wollte Herr Böhm wissen. Und das ließ Herr Spiekermann (Thomsen Group) sich nicht zweimal fragen. Mit energischen Schritten eilte er nach vorn. In bisher nicht erlebter Klarheit stellte er die Position des Haupteigentümers der Hufewiesen, der ADLER REAL ESTATE AG, dar:

  • Vieles von den Vorstellungen des Vereins für das Bürgergrün sei doch in den Vorschlag von Thomsen für einen öffentlichen Grünkorridor in der Mitte des Geländes bereits eingeflossen…
  • Das Argument, daß Teile der Hufewiesen nicht bebaut werden könnten, sei für ADLER nicht stichhaltig. Alle planungsrechtlichen Einschränkungen ließen sich ausräumen, sei es durch technische Maßnahmen, sei es durch politische Entscheidungen; nötigenfalls auch durch einen Streit vor Gericht.
  • Deshalb würde die ADLER nicht von ihren Preisvorstellungen für die Grundstücke im Besitz ihrer Tochtergesellschaft MBG Trachau abrücken. Mindestens 5 Millionen Euro wolle sie einnehmen für ihre zehn Hektar Land auf den Hufewiesen.
  • Würde diese Forderung nicht erfüllt, bliebe das Gelände eben weiter abgesperrt – notfalls auch für Jahre.

Damit war das Feld eröffnet. Der Ton blieb freundlich und höflich, in der Sache aber entspann sich ein unverblümter Schlagabtausch zwischen den Vertretern von Thomsen, den anwesenden Wieslern und den zahlreich erschienenen Politikern. Die Einzelheiten des Konzepts für ein Bürgergrün gerieten darüber zur Nebensache. Welche Seite denn endlich mal Realitäten zur Kenntnis nehmen müßte und wo und wie denn überhaupt ein Kompromiß gefunden werden könnte, darum ging es in der Hauptsache.
Nach knapp zwei Stunden, als die Luft schon sehr dick geworden war, brachte schließlich Maurice Devantier, Ortsbeirat für die LINKE in Pieschen, einen salomonischen Vorschlag an:

Die Einzelheiten sind eigentlich nicht wichtig. Am besten wäre, einfach der ADLER das Geld zu geben, das sie verlangt! Warum? Weil schon für so viele Zwecke sinnlos 5 Millionen Euro ausgegeben worden sind, daß diese Investition sich im Vergleich dazu auf jeden Fall lohnt!

Auf diesem Höhepunkt endete die HufeRunde offiziell. Inoffiziell standen Wiesler, Politiker und die Vertreter von Thomsen noch lange in kleinen Gruppen im Saal und in der Sommernacht auf der Straße beisammen und tauschten weiter Gedanken und Ansichten aus.
Der Abend machte zum Greifen deutlich, welch ein Spannungsbogen sich zwischen den Visionen des Eigentümers (bzw. der Unternehmensberatung) auf der einen Seite und des Vereins auf der anderen Seite auftut.
Wir sagen: Danke an alle, die den Bogen an diesem Abend mitgespannt haben!

Mehr zum angekündigten Thema des Abends:
Hufewiesen als Bürgergrün: Leitideen

Die nächste Etappe im Bogenspannen/Brückenschlagen wartet schon:
Wie kann es weitergehen?

17. Juli: Große HufeRunde

Am 17. Juli kommen wieder die verschiedenen Arbeitsgruppen zur großen HufeRunde zusammen. Hier tauschen sich die Wiesler über die Ereignisse der vergangenen Wochen aus und planen zukünftige Tätigkeiten. Dies ist auch ein Ort für Interessierte, um Fragen zu stellen und sich aktiv einzubringen.

Themen:

Los geht es am Donnerstag, den 17. Juli, um 20:15 Uhr, im Goldenen Lamm, Leipziger Straße 220.

Fragen bitte an email hidden; JavaScript is required.

Auftritt Thomsen, Teil 3: Das Medienecho

Thomsen ist wieder weg. Und die Medien tickern los.

Thomsen. Unternehmensberatung aus Hamburg. Mission: Ein neues Konzept für die Entwicklung der Hufewiesen. Im Auftrag der ADLER Real Estate.

>> Siehe auch:
– Auftritt Thomsen, Teil 1: Die Umfrage
– Auftritt Thomsen, Teil 2: Die Empfehlungen


Welches Echo hat Thomsen ausgelöst?

  • Deal-Magazin, 18.6.: „Zwei Drittel aller Dresdner wollen Bebauung der Hufewiesen“
    Das könnte von der Presseabteilung der ADLER geschrieben worden sein. So in etwa hatten sie es sich wohl gewünscht. In Dresden selbst fiel das Echo allerdings zurückhaltender aus…
  • DNN online, 18.6.:“Was hat DaWanda mit den Hufewiesen zu tun?“
    Die letzten vier Absätze stellen auch unsere Position vor.
  • Sächsische Zeitung – Dresden Nord:
    • 18. Juni: „Umfrage wenig überzeugend; Hochwasser und Fluglärm ignoriert“

    Der Artikel rief ein starkes Echo unter den Lesern hervor:

  • Morgenpost, 18.6.: „Hobbithäuser!“
    DD_Mopo_18.06.14_Erdhügelsiedlung_Innenseite1
  • menschen-in-dresden.de, 21.6.:“Eigentümer setzt auf Bebauung, Verein will Bürgergrün“

 


Soziale Medien:

  • Adventures in German social work (Torsten Philipp, Dresden):
    „Alle Umfragen sagen vor allem etwas über die Absichten der Befrager.“
    mit einem Kommentar von Anja Osiander, Hufewiesen Trachau e.V.

>> Siehe auch:
Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion

Auftritt Thomsen, Teil 2: Die Empfehlungen

Am Dienstag war es soweit. Die Vorschläge von Thomsen wurden veröffentlicht.

Die Thomsen Group. Unternehmensberatung aus Hamburg. Mission: Ein neues Konzept für die Entwicklung der Hufewiesen. Im Auftrag der ADLER Real Estate, der Haupteigentümerin der Hufewiesen.

Die Spirale als Leitbild für die Thomsen-Empfehlungen "Vom Dorf zur Stadt zum Dorf".

Die Spirale als Leitbild für die Thomsen-Empfehlungen zu den Hufewiesen.

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Thomsen arbeitet mit den Mitteln der Marktforschung, allerdings in einer speziellen Variante. Ihr Anspruch ist es, herauszufinden, was die Menschen in 50 bis 70 Jahren wohl wollen werden.

Für ihre Wohnumwelt, so Thomsen, werden die Menschen vor allem eins wollen: Gemeinschaft. Deshalb stellen sie die Entwicklung der Hufewiesen unter das Motto „Vom Dorf zur Stadt zum Dorf“.

Konkret könnte das so aussehen:

  1. Geschoßwohnungen (6-8 pro Haus) im Westen der Hufewiesen, mit Gemeinschaftsgärten, errichtet von einer Genossenschaft, dazu ein Tante-Emma-Laden als Nahversorger und sozialer Treff sowie ein paar Gewerbeeinheiten mit inkludierender und konsumkritischer Orientierung (Repair Café, Fahrradwerkstatt)
  2. Einfamilienhäuser im Osten der Hufewiesen, errichtet in einer Bauherrengemeinschaft, in die Wiesen eingebettet, und das im Wortsinne: als Erdhügelhäuser
  3. Ein grüner Korridor in der Mitte der Hufewiesen und entlang des Bahndamms, von der ADLER für eine öffentliche Nutzung gestiftet; dort finden Platz:
    • ein Bauernhof für historische Nutztierrassen
    • ein Veranstaltungsplatz
    • ein grünes Amphitheater
    • eine Baumschule mit Alleen
    • Streuobst
    • … und das alles bei gleichzeitigem Erhalt des Bestandes an Bäumen

Mit dieser Bebauung und Nutzung, so Thomsen, wird Dresden als Trendsetter einen wichtigen Vorteil im internationalen Städtewettbewerb erringen.

>> Zum Nachlesen: Die Presseerklärung zu den Empfehlungen von Thomsen (pdf)

Aber…

Thomsen ist von der Durchschlagskraft dieser Empfehlungen überzeugt. Das Problem dabei: Die Vorschläge gehen über wichtige planungsrechtliche Einschränkungen einfach hinweg, und sie wirken städtebaulich nicht durchdacht. Außerdem wird hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Im Einzelnen:

  • Kein Baurecht. Der Schutz vor Fluglärm und Hochwasser verbietet zur Zeit eine Bebauung auf den Hufewiesen. Auch in Zukunft werden große Teile des Geländes nicht bebaubar sein. Das schreiben Landesrecht und Bundesrecht vor. Die Stadt hat da keinen Ermessensspielraum. Wie kann man die Hufewiesen trotzdem sinnvoll städtebaulich gestalten? Diese Frage zu beantworten, wäre die eigentliche Herausforderung gewesen.
  • Zersiedelung. Die Vorschläge von Thomsen laufen darauf hinaus, die Hufewiesen zu zersiedeln. Damit geht das grüne Herz Pieschens verloren. Auch die Verbindung von historischem Dorfkern und bäuerlichen Fluren wird nicht mehr erkennbar sein. An ihre Stelle tritt eine Siedlung mit Gemeinschaftselementen, wie es sie schon tausendfach in Deutschland gibt. Wo liegt da die städtebauliche Innovation?
  • Mogelpackung. Der grüne Korridor, den ADLER großzügig stiften will, darf sowieso nicht bebaut werden, weil er weitgehend aus Wald besteht, der nach sächsischem Waldgesetz und nach Baugesetzbuch besonders geschützt ist. Deshalb hatte die ADLER diesen Bereich schon in einer Presseerklärung aus dem Jahre 2012 (S.1, letzter Absatz) als öffentliches Grün angeboten. Man darf den Wald auch nicht roden, um Platz für die von Thomsen vorgeschlagenen Nutzungen zu schaffen. Auf jeden Fall würde es ziemlich eng dort werden…

Was wäre eine Alternative?

Auch im Verein machen sich Menschen Gedanken über die Hufewiesen. Unentgeltlich, dafür mit Herz und gesundem Menschenverstand.

Unser Ansatz: Die maßgeblichen Tatsachen erfassen, sie akzeptieren und dann kreativ damit umgehen. Für die Hufewiesen sind das die planungsrechtlichen Beschränkungen einerseits, das besondere Potential dieses Ortes andererseits.

Zum Nachlesen:
– Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion
– Unser Positionspapier zur Kommunalwahl 2014

Zum Mitmachen:
Spielt Eure eigenen Berater und entwickelt mit uns Empfehlungen für die Hufewiesen!
– 17. Juli 2014: Große HufeRunde
– Oktober 2014 (voraussichtlich): Wahrnehmungswerkstatt

>> Zum Auftritt von Thomsen siehe auch:
– Auftritt Thomsen, Teil 1: Die Umfrage
– Teil 3: Das Medienecho

Auftritt Thomsen, Teil 1: Die Umfrage

Am Dienstag, 17. Juni 2014, war es soweit. Die Unternehmensberatung Thomsen aus Hamburg stellte in Dresden ihre Erkenntnisse und Vorschläge zu den Hufewiesen vor.

Im Frühjahr 2013 hatte der Haupteigentümer der Hufewiesen, der ADLER Real Estate AG in Hamburg, die Thomsen Group damit beauftragt, ein neues Konzept für die Hufewiesen zu entwickeln. Nun stellten sie sich gleich mehrmals den Fragen und Anmerkungen: morgens im Stadtplanungsamt, mittags vor der örtlichen Presse und abends in einem „Hintergrundgespräch“ mit lokalen Politikern.
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Kernaussage der Thomsen-Umfrage zu den Hufewiesen 2014.

Kernaussage der Thomsen-Umfrage zu den Hufewiesen 2014.

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Der Ansatz von Thomsen

Thomsen arbeitet mit den Mitteln der Marktforschung, allerdings in einer speziellen Variante. Ihr Anspruch ist es, herauszufinden, was die Menschen in 50 bis 70 Jahren wollen werden.

So sind sie bei den Hufewiesen vorgegangen:

  • Mitarbeiter von Thomsen haben an fast allen Veranstaltungen unserer Bürgerbefragung im Herbst 2013 teilgenommen.
  • Mitarbeiter von Thomsen haben rund 50 Menschen in Pieschen mit einem ausführlichen Fragebogen zur Wohnsituation im Stadtteil interviewt. Die Antworten wurden auch in Bild und Ton aufgezeichnet und ausgewertet; das nennt Thomsen „LiveResearch“. Ziel ist es, konkrete und verläßliche Aussagen über die Wünsche der Menschen herauszufiltern.
  • Die Ergebnisse des „LiveResearch“ wurden dann noch einmal in einer repräsentativen Telefon-Umfrage unter 2.000 Dresdnern überprüft.
  • Auch mit Vertretern unseres Vereins führten die Mitarbeiter von Thomsen mehrere Gespräche. Sie luden uns auch zu der Präsentation ins Stadtplanungsamt ein und stellten uns die Unterlagen für die Presse zur Verfügung. Das war fair, vielen Dank!

Allen Bemühungen zum Trotz stellte sich nach der Präsentation allerdings Enttäuschung ein (und zwar auf beiden Seiten). Wie kam das?

Die Ergebnisse der Umfragen von Thomsen lassen sich in zwei Kernaussagen zusammenfassen:

  1. „Zwei Drittel der Dresdner wünschen sich eine Bebauung auf den Hufewiesen“.
  2. „Und zwar als günstigen Wohnraum, mit viel öffentlichem Grün und wenig Gewerbe.“

Zum Nachlesen: Die Darstellung der Umfrageergebnisse durch Thomsen (pdf)

Richtig zufrieden stellen konnte uns das nicht. Denn:

  1. Was die Zustimmung zu einer Bebauung auf den Hufewiesen angeht, so bleiben Unstimmigkeiten. Was wurde denn genau gefragt?? Was wußten die Befragten denn von den Hufewiesen?? Wenn man diese Informationen ergänzt, wirkt das Ergebnis längst nicht mehr so überzeugend.
    • Zwei Drittel der befragten Dresdner kannten die Hufewiesen gar nicht. Ihnen wurde lediglich gesagt, es handele sich um eine ehemalige landwirtschaftliche Fläche in Pieschen.
    • Die Frage nach der Bebauung wurde mit Versprechungen verknüpft. Wie erwähnt: Günstiger Wohnraum soll entstehen. Mit viel öffentlichem Grün. Mit nur wenig Gewerbe. Wer würde da NEIN sagen? Und doch hat es immerhin jeder Dritte getan!
  2. Was die Wünsche zu der Bebauung angeht: Wer würde sich das nicht wünschen!


Zum Weiterlesen: Unsere Kritik im Detail (pdf)

Zum Vergleich:
Unsere Umfrage: Fragebogen, Erläuterungen, Ergebnisse
Bilder und O-Töne von unserer Bürgerbefragung

>> Siehe auch:
Teil 2: Die Empfehlungen
Teil 3: Das Medienecho
Die Hufewiesen als Bürgergrün: Entwurf zur Diskussion