Zwölf Seiten. So lang ist unsere Stellungnahme zum neuen Vorentwurf geworden. Wir haben viel diskutiert. Für und Wider. Am Ende haben wir viele Vorschläge zusammengetragen, um die Planungen zu verbessern. Lest hier unsere ausführliche Stellungnahme: PDF.



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Im Verein geht die Diskussion aber auch nach dieser Stellungnahme weiter. Hier sind die wichtigsten Fragen und Argumente:
Hitze.
Das Wort erlebt einen rasanten Aufstieg im allgemeinen Sprachgebrauch. Weil unsere Städte immer heißer werden. Zu heiß für Kinder, Ältere, chronisch Kranke. Müssen wir darauf nicht auch in der Stadtplanung reagieren? Die Hufewiesen bilden das einzige Kaltluftentstehungsgebiet im Stadtbezirk Pieschen mit 80.000 Menschen. Nur dort gibt es genug Wald, damit sich die Luft spürbar auch für die umliegenden Quartiere abkühlen kann. Dürfen wir hier überhaupt noch bauen?
Bedarf.
Ja, Dresden braucht bezahlbaren Wohnraum. Dringend. Besonders für Familien. Aber werden auf den Hufewiesen bezahlbare Wohnungen entstehen? Wohl eher nicht. Bis jetzt ist die Rede von einem Anteil von 20% der Wohnungen mit Mietpreisbindung über zehn Jahre. Das wären etwa 30 Wohnungen.
Und brauchen wir ein Forschungszentrum am S-Bahn-Halt Trachau? Noch fehlt in den Planungen eine Begründung dafür, warum ausgerechnet diese Nutzung ausgerechnet an dieser Stelle der Stadt einen deutlichen Gewinn für die Stadt bringt. Fragezeichen tun sich auch auf bei den Planungen für das Parkhaus. Es ist sehr groß dimensioniert. Aber eine Begründung dafür fehlt, zumal zusätzlich auch noch eine Tiefgarage unter dem Mischgebiet vorgesehen ist. Gleichzeitig sollen in dem Parkhaus Einrichtungen der Nahversorgung untergebracht werden, obwohl es rund um den Trachauer Bahnhof bereits eine sehr gute Infrastruktur dafür gibt.
Abwägung.
Abwägung ist eine hohe Tugend in den Regeln für die Stadtplanung in Deutschland. Auch der Beschluss des Stadtrates vom Mai 2018 enthält bereits eine Abwägung. Darin wird der Anteil des künftigen öffentlichen Grüns im größeren östlichen Teil der Hufewiesen festgelegt. In dem Gebiet, das bebaut werden soll, sind die Grundflächen der Baufelder und Nutzungen festgelegt: 1,6 Hektar für Wohnen und bis zu 0,8 Hektar für Gewerbe. VOn einem Forschungszentrum spricht der Aufstellungsbeschluss nicht. Und der Aufstellungsbeschluss gibt eine Rangordnung vor. Wörtlich heißt es dort:
„Es soll außerdem die Einordnung von weiteren, das Wohnen nicht störenden, gewerblichen Nutzungen in einer dem Wohnen untergeordneten Größenordnung (max. 0,8 ha) vorzugsweise in der Nähe des Trachauer Bahnhofes geprüft werden.“ (Beschluss im Ratsinformationssystem)
Im aktuellen Vorentwurf überwiegen dagegen die Gewerbeflächen. Laut Aussage des verantwortlichen Stadtplaners in der Bürgerversammlung sollen allein das Parkhaus und für das Forschungszentrum rund 22.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche bieten, während das Wohnen und das Mischgebiet zusammen auf 17.400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche kommen. (Bruttogeschossfläche ist die Grundfläche eines Gebäudes über alle Geschosse, einschliesslich der Wände.) Damit gehen die aktuellen Planungen deutlich über den Auftrag des Stadtrats hinaus. In der Begründung zum Vorentwurf fehlen aber Argumente, warum das passiert; und auch in der Bürgerversammlung vom 7. Juli gab es auf diese Frage keine städtebauliche Antwort.
Geben und Nehmen.
Der verantwortliche Stadtplaner macht es in der Bürgerversammlung ziemlich deutlich: 40.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Das fordert der Eigentümer als Grundlage für seine Kalkulationen zur Verwertung des Baurechts, das im aktuellen Planungsverfahren im Westen der Hufewiesen für ihn geschaffen werden soll. Dafür ist er bereit, rund neun Hektar Land mit Wald, Wiesen und verwilderten Gärten an die Stadt zu übertragen, damit sie zu einem öffentlichen Grün gestaltet werden können.
Was passiert, wenn der Eigentümer seine 40.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche nicht bekommt?
Ausgleich.
Die Flächen im Westen der Hufewiesen, die bebaut werden sollen, sind ökologisch besonders wertvoll. Trotzdem ist es städtebaulich sinnvoll, hier zu bauen, denn schon in der Gründerzeit wurden hier Straßen angelegt, an die die Planung anknüpft. Außerdem kann sich dann östlich davon das Grün durch private Gärten und Friedhöfe entlang der Bahnstrecke bis zum Leipziger Bahnhof fortsetzen. DAs ist ein großer Gewinn für das ökologische Netz der Stadt.
Das Planungsrecht sieht strenge Regeln vor in Bezug auf Umweltgüter, die durch „Eingriffe“ beseitigt werden – etwa, wenn sie einem neuen Quartier weichen müssen. Diese Werte werden vom Umweltamt erfasst, und der Verursacher ist verpflichtet, sie genauso wieder herzustellen. Er muss dafür eine Fläche bereitstellen – notfalls auch erwerben, möglichst nah an den Hufewiesen oder im Stadtgebiet. Er muß Bäume pflanzen, Gebüsch, Lebensräume anlegen, den Boden verbessern, den natürlichen Wasserhaushalt unterstützen oder etwas anlegen, was gegen Hitze und Starkregen hilft. Und er muss eine Generation lang dafür sorgen, daß die neuen Anlagen auch gedeihen. Im Klartext: Er bezahlt für die Pflege der Ersatzanlagen.
Das kann auch den Hufewiesen zugute kommen. Eine neue Streuobstwiese am Kirchsteig ist schon im Vorentwurf für einen rechtsverbindlichen Plan vorgesehen. Eine genaue Bilanz von Eingriffen und ihrem Ausgleich wird aber erst im nächsten Schritt der Planung erstellt werden.
Der Teufel steckt im Detail.
Der nächste Schritt der Planung – das ist ein wichtiges Stichwort. Der Vorentwurf hat den Stellenwert eines Diskussionsvorschlag. Jetzt werden alle Stellungnahmen dazu ausgewertet. Und dann legt die Stadtverwaltung sich genauer fest: Wo sollen Straßen entstehen? Welche Gebäude sollen wo entstehen? Auf dieser Grundlage werden dann weitere Fachgutachten erstellt:
- ein Umweltgutachten mit einer Eingriffs-Ausgleichs-Bilanz
- ein Schallschutzgutzachten
- ein Klimaschutz- und Energiegutachten
- ein Artenschutzgutachten
- eine Erschließungsplanung für Medien und Stellplätze
Diese Gutachten werden wichtige Einzelheiten festlegen, wie ein künftiges Quartier an den Hufewiesen letztlich aussehen könnte. Deshalb fordern wir in unserer Stellungnahme, an diesen Fachplanungen beteiligt zu werden – mit einem Termin vor Ort und einem Treffen zur Diskussion von Vorschlägen.
Die Hufewiesen sind ein Kleinod. Das erfahren wir jedes Mal, wenn wir dort spazierengehen. Das sagt auch das städtische Umweltamt: Es gibt keine vergleichbare Fläche mit einer solchen Vielfalt an Lebensräumen in einer solchen Größenordnung in Dresden.
Laßt uns diesen Schatz bewahren – für heute und für morgen.
Lest hier unsere ausführliche Stellungnahme: PDF.