Wachdienst-Erlebnis

„Wir waren übrigens 2 mal Äpfel pflücken. Am Freitag Nachmittag war ich allein und habe unbehellig mit dem Fahrrad + Anhänger etwa 50 kg geerntet. Heute Vormittag waren wir in Familie und mit Bollerwagen dort (etwa 70 kg Äpfel), da kam leider mittendrin ein freundlicher junger Wachmann, der aussah wie verirrtes Pieschner Klientel. Es lief sehr friedlich ab und wir konnten zu Ende pflücken. Doch die schöne Stimmung des Platzes war dahin.“

Zaun am Kirchsteig

Die MBG Trachau GmbH & Co KG (Eigentümerin des größten Teils der Hufewiesen) versucht seit einiger Zeit, die Hufewiesen abzusperren. Damit stößt sie allerdings auf Schwierigkeiten. Das zeigt sich aktuell am Kirchsteig.

Der Kirchsteig ist ein schmaler Pfad, der sich vom Dorfanger Alttrachau aus hinter dem alten Dorfkern entlangzieht. Er mündet im Rücken der alten Tabakfabrik in die Pettenkofer Straße. Früher liefen die Bauernfamilien von Trachau auf diesem Weg zum Gottesdienst nach Kaditz – daher der Name. Das Flurstück Nr. 814, auf dem der Kirchsteig verläuft, gehört der Stadt. In dieser Woche hat die MBG Trachau durch eine Zaunbaufirma auf dem Kirchsteig Pfähle einbetonieren lassen und Maschendraht gezogen.

Wohlgemerkt: nicht auf dem eigenen Grundstück, sondern auf kommunalem Grund und Boden.
(Korrektur: Doch auf eigenem Grundstück! Siehe unsere Richtigstellung vom 28. August.)

Zaunpfähle und Maschendraht auf dem Kirchsteig an der Mündung in den Dorfanger von Alttrachau. Die alte Sandsteinsäule (rechts im Bild) zeigt den gewohnheitsrechtlichen Grenzverlauf an.

Am Donnerstag, den 23. August, kam dann noch eine Kette mit Vorhängeschloß hinzu:

Die Absperrung vom Kirchsteig aus gesehen.

Mit der Stadt sind diese Maßnahmen nicht abgesprochen. Das Ortsamt Pieschen reagierte überrascht auf die Nachricht von den baulichen Veränderungen auf dem Kirchsteig.

Klar ist: Die Pfähle und der Zaun sind widerrechtlich errichtet worden und müssen deshalb wieder entfernt werden.
(Korrektur: Der Zaun steht korrekt. Siehe die Richtigstellung.)

Falls die MBG Trachau die Hufewiesen von hier aus tatsächlich absperren wollte, müßte sie einen Zaun auf der ganze Länge des Kirchsteigs ziehen. Das sind gut vierhundert Meter.

Angesichts dieser Schwierigkeiten erneuern wir unseren Appell an die Verantwortlichen der MBG Trachau:

  • Verzichten Sie auf die Absperrung!
  • Schließen Sie stattdessen einen befristeten Pachtvertrag mit dem Verein Hufewiesen Trachau.
  • Der Verein verpflichtet sich, das Gelände sofort geräumt zu übergeben, sobald dort gebaut werden soll.
  • Der Verein hält das Gelände sauber und öffentlich zugänglich.

Diese Lösung hat Vorteile für alle Seiten:

  • Die MBG Trachau spart Kosten und erzielt sogar noch Einnahmen in der Zeit, während sie das Land nicht verwerten kann.
  • 50.000 Menschen in Pieschen können die Oase auf den Hufewiesen weiter als dringend benötigtes öffentliches Grün nutzen!
  • Das reichhaltige Biotop auf den Hufewiesen bleibt (zumindest vorerst) erhalten.

Zur Information: Das Verfahren für einen Bebauungsplan für die Hufewiesen kann frühestens in zwei Jahren beginnen. Denn die Hufewiesen wurden 2002 überflutet, und die Schutzmaßnahmen entlang der Elbe werden erst 2014 fertiggestellt sein. Bis dahin gilt ein Planungsverbot.

P.S. Kette und Vorhängeschloß sind inzwischen wieder verschwunden. Ob sie durch die MBG Trachau entfernt wurden oder ob Anwohner zur Selbsthilfe griffen, ist unbekannt.

Zu!

Zu!
Die beiden nördlichen Zugänge zu den Hufewiesen sind seit heute abgesperrt.
Bauzäune versperren den Weg.

An der Bahnunterführung Gaußstraße

Die Immobiliengesellschaft MBG Trachau setzt auf Konfrontation. Mit Zwangsmitteln sichert sie ihr Eigentum.

Die Verantwortlichen der MBG Trachau sind nach eigenen Angaben frustriert darüber, daß ihre Bemühungen um Baurecht für die Hufewiesen so langsam vorankommen. Daran tragen aber die Menschen im Stadtteil keine Schuld. 50.000 Menschen in Pieschen leben ohne Park; die Hufewiesen sind der einzige Ersatz. Die Menschen hier, besonders die vielen Kinder, müssen den Frust der Eigentümer jetzt ausbaden. Das ist nicht fair.

Schlupflöcher an der Hildesheimer …


.

… und an der Gaußstraße

Die Bürgerinitiative hat kein Verständnis dafür, daß den Anwohnern und Kindern jetzt verwehrt wird, was zwölf Jahre lang gut ging. Die Pferde pflegten die Wiesen; die Menschen konnten dort sein; das Gelände blieb eine Oase.

Die Pettenkofer Straße, der frühere Kirchweg, ist nur ein Fußpfad, aber trotzdem öffentlich. Hier darf nicht abgesperrt werden.

Durch die Absperrung werden die Hufewiesen bald zum Schandfleck verkommen. Das kann Pieschen nicht brauchen.

Wir halten unsere Angebote aufrecht:
Der Verein Hufewiesen Trachau ist bereit, die Kosten für die Versicherung des Grundstücks zu übernehmen – vorausgesetzt, die Hufewiesen werden wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Verein Hufewiesen Trachau bietet außerdem an, der MBG Trachau die Flächen abzukaufen, um sie in einen Park mit angrenzender Bebauung entlang der Leipziger Straße umzuwandeln.

Noch offen: Der Zugang von der Pettenkofer Straße, vorbei an der alten Tabakfabrik

Vertrag statt Zaun!

Der neue Zaun an den Hufewiesen erregt das Interesse der örtlichen Medien: Gestern bat Radio Dresden um ein Interview. Heute war die Sächsische Zeitung da.

Eine ältere Dame, die auf den Wiesen spazieren ging, erzählte, was ihr auf dem Herzen liegt, und die Reporterin schrieb eifrig mit:
Ich bin hier geboren. Meine Großeltern hatten hier noch Ackerland; später waren hier Gärtnereien. Ich kenne dieses Stückchen Land nicht anders als grün. Es wäre eine Katastrophe, wenn die Menschen aus dem Viertel hier nicht mehr hingehen dürften. Und erst die ganzen Kinder!“

Die Bürgerinitiative hat derweil ihr Angebot bekräftigt: Der Verein Hufewiesen Trachau ist bereit, die Kosten für die Haftpflichtversicherung für das Grundstück zu übernehmen. Auf diese Weise könnte das Gelände öffentlich zugänglich bleiben.
Das steht in einem Brief des Vereins an Herrn Harloff, den Vorstand der ADLER Real Estate AG. Sie ist die Muttergesellschaft der MBG Trachau, die wiederum als Eigentümerin von insgesamt zehn Hektar Land auf den Hufewiesen im Grundbuch geführt wird. Der Verein bekräftigt in dem Brief zugleich seine Absicht, die Hufewiesen zu kaufen.

Der Brief wurde am 16. Juli abgeschickt. Wörtlich heißt es darin:
„Für (die) Anwohner, insbesondere für die umliegenden Kindertagesstätten,
möchten wir gerne die Möglichkeit erhalten, das Gelände für Spaziergänge zu nutzen.
Der Verein Hufewiesen Trachau e.V. bietet Ihnen deshalb an, die Kosten für eine
Grundstückshaftpflichtversicherung für die Hufewiesen als öffentlich zugängliches Gelände
zu übernehmen. Sie sparen auf diese Weise nicht nur die Police ein, sondern auch die
Ausgaben für die Absperrung der Wiesen.
Herrn Stommel (Geschäftsführer der MBG Trachau) haben wir bereits über dieses Angebot informiert. Er hat zugesagt, sich darüber mit Ihnen zu beraten. Wir würden uns freuen, wenn Sie die anstehenden Kaufverhandlungen mit Ihrem Einverständnis zu diesem Arrangement unter einen guten Stern stellen wollten.“

Eine Antwort der ADLER Real Estate oder der MBG Trachau auf dieses Angebot gibt es bis jetzt nicht.

Sperrgebiet

Die MBG Trachau unternimmt offenbar erste Bemühungen, um die Hufewiesen abzusperren.
Entlang der Gaußstraße hat ein Bauer aus Meißen mit seinem Traktor das Gelände umgepflügt. Er habe auf Anweisung von Herrn Stommel gehandelt, dem Geschäftsführer der MBG Trachau. Damit solle verhindert werden, daß die Menschen auf das Grundstück gelangten. So der Bauer.
…?
Wie das Bild zeigt, war die Maßnahme eher sinnlos. Die Kommunikation aus dem fernen Frankfurt, wo die MBG Trachau ihr Büro hat, bis vor Ort nach Dresden scheint nicht gut zu funktionieren.

Umbruch auf den Hufewiesen


.

Bauzaun

Ernsthafter wirkt da schon der Bauzaun, der entlang des Bahndamms errichtet worden ist. Die einzelnen Felder sind solide durch Spangen und Nieten miteinander verbunden. Werden sie demnächst die gesamte Grenze zwischen dem MBG-Gebiet und dem Stadtteil zieren?
.